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Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

 
Englisches Einfriedungstur und Gehtürchen. P. W. 
und belehrendsten gerechnet werden, was über die Kunst der Empirezeit 
überhaupt gesagt worden ist. 
Seinem ganzen Empiinden nach mußte er auch immer besonderes Ver- 
ständnis für die Kunst derBarockzeit haben, da sie gerade die primitivenGrund- 
züge der Kunst trotz hoher Kulturentwicklung mit elementarer Gewalt zum 
Durchbruche gelangen läßt. Schon 1897 finden wir einen Aufsatz (in den 
Mitteilungen des Museums, N. F. VI. Bd.): „Die Barockdekoration und die 
moderne Kunst", und seine Universitätsvorlesungen über die Barockzeit 
werden von allen Hörern zu den größten Eindrücken ihres Lebens gezählt 
und wohl jedem unvergeßlich bleiben. In wundervoller Weise zeigt den 
feinen Sinn in dieser Richtung auch sein letzter öffentlicher Vortrag, den er 
bei der VIII. Versammlung des Verbandes deutscher Historiker zu Salzburg 
gehalten hat (Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, XLV); hier klären 
sich uns die tiefsten Geheimnisse barocken Wollens, nationalen Empiindens 
und individuellen Schaffens einzelner Meister, so etwa Fischers von Erlach, 
für den hier in wenigen Sätzen mehr geboten wird als sonst in ganzen Ab- 
handlungen. ' 
Riegl war ja kein Redner im landläufigen Sinne des Wortes; er war 
immer eine zarte und etwas kränkelnde Natur, seit Jahren auch schwerhörig 
und besaß nur ein schwaches Organ. Aber durch die Sachlichkeit und die 
Natürlichkeit der Form, die sich immer im Augenblicke erst ergab, wußte 
er die wirklich geistig Mitarbeitenden geradezu hinzureißen. 
Ebenso war es auch bei seinen geschriebenen Werken; man konnte sie 
nicht überHiegen, man mußte sich ihnen überantworten; dann aber wurde
	        
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