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Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

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1 Reichtum konzentriert 
und dem Hauptobjekt 
' eine ruhige Umgebung 
gibt, verwirrendes De- 
tail vermeidet, wo es 
' sich um einen Rahmen 
1 um eine Begleiterschei- 
nung handelt, muß hier 
Geltung erhalten. Wie 
vortrefflich haben das 
XVII. und XVIII. Jahr- 
hundert die regelmäßig 
gebildete Wasseriiäche 
des streng geformten 
Teiches, den Reiz der 
klug ge ordnetenWasser- 
. künste als Opposition 
zur grünenWildnis oder 
zur l-lausarchitektur be- 
nützt; Italien, das I-Iei- 
matland des architek- 
tonisch gebildeten Gar- 
tens, war stets die Fund- 
grube für Anregungen, 
welche dann über Frankreich ihren Weg durch ganz Europa fanden. 
Was haben aber die Gartenbildner des verflossenen Jahrhunderts aus 
Italien heimgebracht? Da finden wir beispielsweise den Renaissancebrunnen 
und die Renaissancevase in Terracotta und in trockenster Nachbildung laut 
„Musterbuch" verbreitet. Was aus gegebenen Bedingungen heraus im jedem 
Einzelfall neu entstehen muß, wurde aus einem Warenlager fertig bezogen, 
das leere Stilkopien ohne Beziehung zum Zweck und zur Lokalität der Ver- 
wendung aufspeichert. Das, was eine sichere und feine Raumempfindung, 
architektonisch geschulten Blick voraussetzt, bleibt dem zufälligen Ermessen 
des Gärtners oder Gartendilettanten überlassen und wird von einer Massen- 
industrie beigestellt. 
In hohem Maß finden wir das Mißverständnis gesteigert, wo wir der 
Verwendung Figuraler Plastik begegnen. - Hier hat die Massenerzeugung 
wohl ihre kläglichsten Resultate gezeitigt und was nur den besten Kräften 
und reichsten Mitteln vorbehalten bleiben sollte, wurde zum Alltagsprodukt 
herabgewürdigt. 
Daß die Beziehung der Figur zur grünen Wand, zur grünen Nische und 
zur Architektur dabei ganz verloren ging, werden wir am besten an der 
modernen Denkmalaufstellung gewahr. Selbst dort, wo man der Porträtiigur 
und dem Standbild den Garten geöffnet hat, finden sich nur in Ausnahms- 
 
Englisches Gartenhäuschen aus weichem Holz, weiß gestrichen. P. W.
	        
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