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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 7 und 8)

"kp,

Nach den früheren schwülstigen Arbeiten dieses Architekten

 darf man aber kaum annehmen, daß er hier eine überlegene

 Belustigung des dekorativen Esprits getrieben habe.

Er will wie immer ernst genommen werden, und wenn man

ihm diesmal den Gefallen tut, geschieht es wieder nicht zu

seinem Vorteil.

Bei dieser Revue der Innenarchitekten können gleich noch

nachträglich einige Skizzen aus der neuen großen Interieurausstellung

 des Hauses Wertheim gegeben werden.

Sie stellt ein sehr gelungenes Schaustück dar, das zugleich

 großen anregenden und erziehlichen Wert hat, denn die

Vielen, die sonst vielleicht wenig Gelegenheit haben, moderne

Kulturbestrebungen kennen zu lernen, sehen hier gute sachliche

 zweckmäßige Beispiele, und es bleibt schließlich davon

immer etwas haften und die Wünsche bekommen durch solche

Belehrung förderlichere Richtung. Die Künstler, die diese

Innenräume entwarfen, haben fast alle praktische, von allen

Experimentieren und gesuchten Forcieren freie Lösungen gefunden.

 Sie suchen ihre Raumschönheit in farbig gut gestimmter

Wand- und Deckenbehandlung, die meistens ohne kostbare

Mittel erreicht wird. Bespannung und Rahmenwerk sind die

Requisiten, auch Binsenverkleidung mit einem Kachelfries als

Abschluß - ferner in gemütlicher Gliederung der Sitz- und

Plauderwinkel, in bequemen kastenförnzigen Sofa- und Sesselformationen,

 in der ästhetischen Ausbildung der Zentralheizanlagen.

 Gerade für sie, die sonst in allen den Zimmern, wo die

Unterbringung unter dem Fenster unmöglich ist, ein arger

Störenfried der einheitlich geschlossenen Wirkung waren, geschah

 hier mancherlei. Richtige Erkenntnis gewann diese

früheren Störenfriede zu Bundesgenossen bei der Raumgestaltung.

 Die Heizkörper werden hun als „Fire place" angelegt,

 als eine Zentralstation für Sitzetablissements. Der Holzmantel

 wird den Möbeln des Zimmers entsprechend behandelt,

so daß er ein ebenbürtiges Einrichtungsstück ist! Und besondere

 Liebe wendet man der wärmeverrnittelnden Metallfüllung

zu. Entweder behält man dafür die Gitterform bei. Dann

Franziska Hßffnlnningßf- wird aber die Durchbruchsmusterung nicht nach dem kon-Studie

 ventionellen Stanzschema gemacht, sondern in einer

einfallsreichen, lebendig bewegten Linienführung von künstlerischer Handschrift, die

manchmal an die Figurationen japanischer Schwertstichblätter erinnert. Oder was noch

freier wirkt, man nimmt an Stelle des Gitters ein schwebendes dichtes Gehänge aus Eisenoder

 BronzegliedermKetten,Dreiecken, Stäbchen, Kugeln, Ovalplättchen. In der Art der Perportieren

 wird dasselbe in den Holzrahmen gehängt und ist von eigener Wirkung.

Die Möbelarchitektur hält meist sehr ruhige Formen fest, sie bevorzugt die

glatten Flächen und als belebenden Schmuck wählt sie die Intarsia, nicht bildlich,

sondern holzmäßig als Farbenwirkung oder einfach geometrisch gemustert. Peter Behrens,

der hier ein warmes, behagliches Wohnzimmer und einen Schlafraum von penibler

kühler Akkuratesse ausstellt, legt in das helle Eichenholz langgestreckte schwarze Karos

ein, die in Verbindung mit dem blanken Messing der Kugelfüße und der Schlüssellochplatten

 in vertiefter Beckenform den Eindruck der polierten Sauberkeit noch steigern.

Und in dem Arbeitszimmer läßt er im dunklen Grund des Holzes hellere Kreise schimmern,

 die mit den Messingreifen der Verglasung korrespondieren.
            
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