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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 9)

1:-].

 GRANIE UND DIE MODERNE ILLUMINIER-KUNST

 IN FRANKREICH 54' VON HENRI

FRANTZ 50



Zeichnungen und Illuminierungen eröffnet,

welche manchem zum ersten Male das ganz

unverkennbare Talent des J. Granie offenbarte

und diesem eine bedeutende Stellung unter den

modernen Kleinkünstlern verschaffte. Es wurde

da ganz unerwartet ein echter Künstler dem

Publikum vorgestellt, ein Künstler, der sich,

ungleich so vielen anderen, nie als bloß

tastender Anfänger vorgedrängt hatte. Die von

ihm ausgestellten Resultate waren komplett und endgültig, wenig an Anzahl,

aber reich an Beweisen seltener Konzentrierung und gleichmäßig aufrecht

erhaltener Qualität. Das Pariser Publikum war verblüfft, einen Künstler zu

finden, der sich im Verborgenen und im Stillen so gründlich erzogen hatte

und der sein Talent zur Reife kommen ließ, ohne im Salon seine frühen

Versuche auszustellen. Nur wenige intime Freunde genossen den Vorzug,

sie zu sehen, bis er sich ohne Posaunenklang in die Gegenwart der Sachverständigen

 und Kritischen mit einem Muster seiner Arbeit wagte, mit

einem Versprechen dessen, was da kommen sollte.

Diese Willensstärke und gewissenhafte Zurückhaltung, bis er sich bereit

fühlte, bietet Jenen, welche darin lesen können, einen charakteristischen Zug

von Granies Natur: ein unbeugsamer Wille, eine Art sonderbarer Entschlossenheit

 und Geistesklarheit, eine seltene kritische Gabe, mittelst welcher

er sich selbst beurteilt und klärt, indem er an sich einen klaren und

methodischen Maßstab anlegt. DieserZug läßt sich durch das ganze Leben

des Künstlers verfolgen, und die Geschichte seiner ersten Versuche und seiner

späteren Entwicklung ist höchst charakteristisch.

Granie ward im Jahre 1862 zu Toulouse geboren. Seine Leute waren

Kunstliebhaber wie alle Bewohner der alten Römerstadt an der Garonne.

Sein Vater wollte ihn zur Musik erziehen, da er dafür wie für alle seine

Studien ein frühzeitiges, vielversprechendes Talent zeigte. Im Alter von 12

Jahren begann er unter der Leitung des Oberlehrers des Toulouser Muse'e

zu zeichnen, während er seine allgemeine und seine musikalische Erziehung

fortsetzte. Mit 16 Jahren hatte er den ganzen Kunstunterricht der Ecole des

Beaux-Arts in Toulouse durchgemacht und wollte sich ausschließlich der

Malerei und Musik zuwenden, als sein Vater ihn nötigte, eine bestimmte

Laufbahn zu wählen und den Kampf ums Dasein anzutreten. Der Entschluß

war schwer: Granie zauderte zwischen Malerei und Musik und ging nach

Paris, die Geige in einer Hand und die Palette in der anderen. Während er
            
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