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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 9)

1...,

malte er das Bildnis des Fräuleins

 Emilie Bergerat. Zwei

Jahre früher hatte er im Salon

ein ganz kleines Bild „Der

heilige Franz predigt den Vögeln"

 ausgestellt -- der Heilige

 nackt, gemäß einer spanischen

 Legende. Dieses Bild

wurde viel besprochen.

Was schließlich den jungen

 Künstler rettete,war seine

Gabe der Selbstkritik. Ein

anderer wäre vielleicht auf

diesem Wege fortgeschritten.

Granie aber sah ein, daß der

Weg für ihn ein falscher sei,

daß er ihn nach rückwärts,

nicht nach vorwärts führe.

Um diese Zeit unternahm

er ein Bildnis der Yvette Guilbert.

 Während er daran arbeitete,

 ward er sich zum erstenmale

 bewußt, daß es ein Irrtum

 sei, die alten Italiener so

genau nachzuahmen; auch

fühlte er, daß ihm Ölfarbe

als Medium nicht passe. Er

konnte damit weder die synthetische

 Seite seines Geistes, noch seine Liebe für genaue Einzelheiten ausdrücken.

 Er versuchte andere Stoffe und malte zwei, offenbar von Bernardino

Luini inspirierte Fresken. Doch begriff er sofort die Hindernisse, welche der

F reskomalerei unter den modernen Verhältnissen im Wege stehen, und die

absolute Unmöglichkeit, je Aufträge in genügender Menge zu bekommen,

und sah sich deshalb nach einem anderen Ausdrucksmittel um. Er suchte

seine dekorativen Grundsätze auf irgendwelche Weise in kleinerem Maßstabe

anzuwenden.

Da kamen ihm einige mittelalterliche persische und indische illuminierte

Handschriften zu Gesicht: es war eine wahre Offenbarung! Hier lag sein

Pfad klar vor ihm: die Individualisierung und Spezialisierung der Buchdekoration.

 Im Anfang ging er von einer gotischen Grundlage aus und

basierte seinen Entwurf auf die rein geometrische und konventionelle

Anwendung von Blumenformen. Er arbeitete mit Leidenschaft aber im

Geheimen an diesen Zeichnungen, in welchen das Gefühl für Verhältnisse oft

fehlerhaft war. Mit der Hilfe von Ziem, dem Maler, vervollkommnete er sich

j. Granie, Buchschmuck
            
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