MAK

Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 10)

Ein dekorativer Sinn 
ist in der Regie der Land- 
schaft tätig, der, ohne ihr 
im mindesten Gewalt an- 
zutun, mit feinfühligerVer- 
Wendung aller ihrer Eigen- 
schaüen aparteste Wirkun- 
gen schaift. Das läßt sich 
sehr anregend auch an den 
Landhäusern dieser Ge- 
gend studieren. Das schwe- 
dische Landhaus, das nicht 
so bekannt ist wie das eng- 
lische Cottage, stellt gleich 
diesem ein vollendetes 
Produkt dar. Es ist orga- 
nisch aus der Landschaft 
und dem Boden erwach- 
sen, von Ornamenten und 
Stilschnörkeln frei und 
spricht in der spielend be- 
wegten Gliederung seiner 
Teile den Eindruck des 
heiter-behaglichen Heims 
aus. Material und farbige 
Behandlung geben ihm sei- 
nen Charakter. Aus Holz ist 1 
es gebaut, meist rot ge- 
strichen, in der koloristi- 
schen Nuance sang du 
boeuf. Im roten Grunde 
sitzen die breiten weißen 
Fensterrahmen mit dem 
weißen Sprossenwerk der 
 
JF 
ScheiPeIL zu dieser Far" Die National Competition xgo5, Ella Piper, Sunderland, Entwurf für einen 
benmischung gehört der Dekurationsteller 
dichte grüne Rahmen der 
umgebenden Bäume. Die farbige Mitwirkung der Natur ist bei dieser Komposition deutlich 
mit in Rechnung gezogen worden. Die Häuser sind immer reich und bewegt gegliedert, nie 
langweilig-viereckige Kästen, auf die das Dach wie ein Deckel gesetzt ist. Vielmehr wird 
gerade die Dachausbildung mit Überschneidungen, mit Abschrägungen, absteigenden und 
aufwärts kletternden Giebeln sorgsam gepflegt. Eine lebendig regsame Silhouette ergibt 
das in der Luft. Die abwechslungsvolle Innenteilung spricht sich nach außen in mannig- 
fachen Vorsprüngen Einbuchtungen, Spezialabdachungen aus. Das Zweckvolle wird hier 
immer zugleich ein Schmuckfaktor. 
Man findet hier ein Hauptprinzip moderner, angewandter Kunst betätigt: nicht mit 
einem vorgefaßten Stilplan an eine Aufgabe heranzutreten, sondern aus dem Material, 
aus der Verwendungsbestimmung sich die Art der Ausdrucksform abzuleiten. Dieser 
konsequente Sinn für das Natürliche und Organische zeigt sich in der Grundanlage der 
Häuser. Das Felsige des Terrains wird klug benützt, die natürlichen Bedingungen des 
Bodens werden in ihrer Eigenart erhalten und daraus das Fundament gebildet. Deutlich 
erkennt man dabei die Freude am offenen Bekennen von Stoff und Kraft, von Material und 
an?
	        
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