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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

baues. Es gab ja Leute, sie sind noch keineswegs ausgestorben, die davon

träumten, man könne Dampfmaschinen auch mit Renaissancemotiven versehen,

 moderne Geschütze mit der Fülle von Ornamenten ausstatten, die

zu einer Zeit, als die Schießtechnik kaum über die einfachsten Erfordernisse

hinauskam, einem Mechanismus beigegeben werden konnten, des furchtbare

Entwicklungsfähigkeit als Zerstörungsinstrument erst unsere Zeit erkannt

hat. Ähnlicher Mißgriffe gibt es viele; sie müssen belanglos werden gegenüber

 der klaren Einsicht, daß das Entstehen der Form aufs engste mit dem

Zweck verknüpft sein muß.

Auch da sind, wie in der Natur, der Grundformen nur wenige; aber ihre

Ausbildung, das Gegenseitigkeitsverhältnis und unendliche Kombinationsmöglichkeiten

 haben eine Unsumme von eigenartigen Erscheinungen dadurch

zuwege gebracht, daß das konstruktive Moment auch nicht in einem einzigen

Punkt zu Gunsten anderer Erwägungen in den Hintergrund trat. Darin

beruht der Eindruck der Schönheit, den eine Maschine machen kann; darin

beruht anderseits der Eindruck des Mangelhaften, den eine baukünstlerische

Leistung macht, bei der die konstruktiven Überlegungen zurücktreten gegenüber

 dem Schwalle dekorativer Einzelheiten. Selbst bei manchen Bauten, die

als „modern" gelten, trifft dies zu; mit der Anwendung einer Reihe von Ziergliedern

 allein, die in keinem Nachschlagebuch der Ornamentik unter einer

bestimmten Stilrubrik eingetragen sind, macht man keine zweckdienliche

neue Architektur. Handelt es sich nun darum, bei Objekten, deren ganze

Existenz von einer Reihe maschineller Einrichtungen abhängt, auch die

künstlerische Ausgestaltung ins Auge zu fassen, so wäre ein Hand in Hand

gehen des einen mit dem andern eigentlich als selbstverständlich vorauszusetzen.

 Da kommt nun aber der Stilbeflissene, der sich „auf Kunstsachen

versteht", und sagt: Quod non!Wozu wäre denn der ganze Formenschatz von

sechs vergangenen Jahrhunderten publiziert, als daß man ihn „komponierend"

zu Rate zieht. Also wird beschlossen: Speisekajüte in Renaissance, Damenzimmer

 selbstverständlicherweise in Rokkoko, Rauchsalon barock und so

weiter, alles aber, was nicht zu den Gesellschaftsräumen gehört, so einfach

und praktisch wie möglich.

Schreiber dieser Zeilen hatte in Hamburg Gelegenheit, auf einem der

großen neuen Dampfer im Tone höchsten Lobgesanges von einem „Fachmann"

 sagen zu hören: „Es ist wirklich famos, wie diese Räume hergerichtet

sind, man verliert vollständig den Eindruck, sich auf einem Schiffe zu

befinden!"

Die Aufgabe, einen Bodenseedampfer „ohne jedwede Beeinträchtigung

der konstruktiven Teile" künstlerisch auszugestalten, ist nun zwar kein Auftrag

 umfangreicher Art, immerhin aber bot er Gelegenheit, sich in bewußten

Gegensatz zu stellen jener großen Zahl von anderen Dampfern des gleichen

Binnengewässers gegenüber, bei denen in Rippenverschalung, in Stützenummantelung

 und ähnlichen Dingen überall der Beweis erbracht ist, daß es

sich auch hier darum handelt, den eigentlichen Charakter der Sache möglichst
            
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