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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

scharf gesehenen und gegebenen Typen aus der Wiener „Plattenwelt" und hübschen landschaftlichen

 Seitensprüngen gefüllt. Die Physiologie des Strolches ist ihm ein unversiegliches

 Thema, aber auch die Weinbeißer unserer Rebenhügel schildert er mit spezifischem

Verständnis ab. Pippich füllt einen Raum mit Wiener Ansichten, die bei ihm eine hübsche

moderne Stimmung haben. Eine Radetzkybrücke in feinen Grauheiten, ein Freihaus mit

winterlichen Verfärbungen, ein Marktplatz zu Salzburg, wo er zum Teil in ungewohnte

Breite geht, und so noch anderes ist sehr bemerkenswert. Ferner entrollt Zetsche seine

liebenswürdige Vedutenkunst, in der so viel Kleinwelt mit unausrottbarem Behagen vorgetragen

 ist. Das sind die geborenen Weihnachtsgeschenke. G. v. Kempf bringt ein Zimmer

voll Radiertes und Aquarelliertes, das immer seine Pointe hat. An einer langen Wand entfaltet

 W. Rudinoff, ein erdumsegelnder Radierer, Farbenstecher, Monotypist u. s. w., seine

vielfältigen Künste. Er ist ein Meister vieler Manieren, der bald gesammelt werden wird;

man sollte lieber heute als morgen beginnen. Und die jungen Künstler Baschny, W. V.

Krauß und v. Prosch haben sich in einem Stübchen zusammengetan, wo sie schon

mancherlei können; Baschny hauptsächlich als Porträtist, Krauß unter anderen als Urheber

eines weißen Bulldogs, der förmlich auf den Beschauer losgeht. Unter den übrigen Ausstellern

 stehen die Porträtmaler voran. Adams (fünf Kinder auf einem Bilde), Pochwalsky,

Ferraris („Carmen Sylva", ganze Figur, in Schwarz), Veith, Schiff, Schattenstein

(„Chauffeuse") u. a. Unter den Landschaftern Darnaut, Hugo Löffler („Opferungß Böcklinscher

 Einschlag), Kasparides (Melk, Herbst), Tomec, Quittner (Pariser Modernität), Beck

(Schnee) u. a. Die Plastik ist spärlich. Ein französischer Künstler, Lucien Gaillard, hat

schöne Schmucksachen im Stil der Schmetterlinge, Blütenzweige und farbigen Edelsteine.

EZESSIQN. Die erste Ausstellung des vereinigt gebliebenen Teiles der Vereinigung

erweckt mit Recht lebhaften Anteil. Sie ist durchaus der religiösen Kunst unserer

Zeit gewidmet, weckt also den Gedankenaustausch über eine brennende Kunstfrage. Die

Modernisierung des Kirchenbaues, die nun in allen Kunstländern angebahnt ist, bricht eine

Bresche in den Wall von Vorurteilen, der dieses Thema umgibt. Natürlich war die

Sezession nicht stark genug, das ganze Gebiet in ihr Licht zu rücken, aber sie hat interessante

 Beispiele gesammelt und einige Stationen des Weges zugänglich gemacht. Besonders

 dankenswert ist die große Novität für Wien, nämlich die Vorführung der Beuroner

Klosterkunst , die zum ersten Mal auf einer Ausstellung erscheint. Pater Notker (Langensteiner)

 hat auf einem Vortragsabend der Leo-Gesellschaft anziehend erzählt, wie diese

Kunst entstand. In den Fünfzigerjahren zogen drei Brüder Wolter von Bonn nach Rom

und traten zu San Paolo fuori in den Orden ein. Sie hießen nun Maurus, Placidus und

Hildebrand. Hildebrand starb, die anderen beiden kehrten mit dem Segen Papst Pius IX.

heim und erhielten von der verwitweten Fürstin Katharina von Hohenzollem-Sigmaringen

das alte aufgehobene Augustinerkloster Beuron im Donautal, dessen Quasi-Ruine sie

angekauft hatte. Ihrer Unterstützung verdankte Beuron seine Neugeburt zur Erzabtei der

Benediktiner. Da die kranke Fürstin durch den Maurussegen geheilt worden, erbaute sie

r86g daselbst dem h. Maurus eine Kapelle.

Ihr Künstler war der Pater Desiderius Lenz, seine malerischen Helfer die Freunde

Gabriel Wüger aus Konstanz und Lukas Steiner aus Schwyz. Lenz war 1832 im Hohenzollemschen

 geboren und lebt noch jetzt als 72 jähriger Greis mit eisgrauem Bart im Kloster

zu Monte Cassino, dessen Bilder-, Mosaik- und Reliefschmuck in den sieben bis acht

Kapellen der Torretta und in der Grabkapelle „Soccorpo" von ihm herrühren. Er war in

München gebildet, lange Zeit Professor an der Kunstschule zu Nürnberg und lebte dann in

Florenz und Rom. 1868 nach Beuron berufen, stiftete er jene Klosterkunst, die sich auf

altklassischen Grundsätzen und Mustern aufbaut und auf diesem Wege den Ausdruck für

das religiöse Gefühl unserer Zeit sucht. Die Schule hat jetzt gegen 20 Mitglieder und hat

schon manches schöne kirchliche Werk geschaHen, auch in Österreich (Zyklus Mariä in

Emaus, Malereien in St. Gabriel zu Prag, anderes in Seckau, Teplitz). Ihr Kunstprinzip geht
            
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