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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 11)

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auf Stil. „Ruhe, Majestät, Kraft, Ernst, Schönheit im Wesen, nicht im Beiwer ", sagte

Pater Notker. Merkwürdig genug nehmen sich diese Arbeiten in der Sezession aus,

obgleich, wie uns Pater Wilibrord verriet, Lenz selbst sagt, sie wären die ersten Sezessionisten

 gewesen. Das meiste, was ausgestellt ist, geht auf Pater Desiderius selbst zurück.

Er war unerschöpflich an Motiven und Eingebungen. Eine große Anzahl Studien zeigt,

mit welchem Fleiß er an der Durcharbeitung seiner Themen (etwa einer Pieta) sich miihte.

Dabei waren ihm alle Künste recht; er baute, bosselte, mosaizierte und malte, wenn auch

der eigentliche Freskant der Schule Jakob Wüger war. Wenn wir heute diese Arbeiten

betrachten, dürfen wir übrigens nicht vergessen, daß sie vor 30 bis 35 Jahren entstanden

sind, als alle Welt noch, wenn man so sagen darf, tief im Oberflächlichen des gangbaren

Realismus stak, die kirchliche Kunst aber ratlos die fabriksrnäßigen Fadaisen der Epigonik

kopierte. Beuron war also eine stilistische Tat und man muß nur hoffen, daß es auch die

Fortschritte der Stilistik aufnimmt, wie man sie ja bei Maurice Denis (übrigens einem

Freunde des Pater Wilibrord) und anderen Neumeistern wahrnimmt. Auch in der jetzigen

strengen Gebundenheit, mit den Anklängen an ägyptische, assyrische, überhaupt archaische

Weise, wirken diese Arbeiten als Ausdruck eines tiefen, geistigen Lebens, einer religiösen

Verinnerlichung, die ihre eigene Sprache spricht. Übrigens soll demnächst eine Schrift

von P. Ansgard Pöllmann in Beuron erscheinen, die sich mit diesen Strebungen beschäftigt.

Der Wiener Anteil an der Ausstellung ist ganz beträchtlich. Fast alle stärkeren Talente

des Hauses haben sich in den Dienst der seltenen Aufgabe gestellt, Ferdinand Andri und

Architekt Plecnik voran. Sie haben eine Art aufgerollter Taufkapelle geschaffen, mit

freskoartigen Malereien von Engelhart, jettmar, König, Lenz, Karl Müller und Andri.

Nicht allen liegen ja diese Dinge, aber sie waren sämtlich mit aller Kraft dabei. In der

Mitte ist ein überraschend gutes Glasfenster von Ederer, bei Geyling ausgeführt, und vor

diesem steht ein interessant aufgestuües Taufbecken mit einer Halbfigur des Täufers aus

vergoldetem Holz, das Ganze eine Vollprobe Andrischen Talents. Ein anderes Hauptstück

der Ausstellung sind die herrlichen Glasmalereien johann v. Mehoffers (Krakau) für die

Kathedrale von Fribourg (Schweiz). Überreich an Formen und überstark an Farbe,

möchte man sagen, wenn man nicht völlig von ihnen erobert wäre. Unter den berühmten

auswärtigen Gästen sieht man Ashbee, Besnard (die Kartons für die Spitalkirche in

Berck-sur-Mer), Maurice Denis (drei Bilder), Gauguin, Stuck, Uhde, Gebhardt, Corinth.

In dieser Nachbarschaft hält sich Krämer vortrefflich. Schließlich hat die „Deutsche

Gesellschaft für christliche Kunst" eine große Sammlung ihrer Kunstwerke hereingeschickt,

die aber nur zum geringsten Teile dem kritischen Auge von heute standhalten.

LBERTINA. In der Albertina sieht man jetzt, von Kustos Dr. Meder sorglich ausgelesen

 und zusammengefaßt, auch künstlerisch adjustiert, über zweihundert Blatt

Zeichnungen, Aquarelle und so fort ausgestellt, meist Karikaturen jenes Jung-Wien, aus

dem sich die Sezession und der I-Iagenbund herausgesondert haben. En bloc hieß dieser

Nachwuchs von vor zehn Jahren die l-Iagengesellschaft. Nicht weil Hagen den Drachentöter

 tötete, sondern weil der Gastwirt beim „blauen Freihaus" in der Gumpendorferstraße

 Hagen hieß. In diesem Lokal wurde nämlich der Stoff verzapft, unter dessen

erleuchtendem Einflul] die Maljünglinge dann im nahen „Cafe Sperl" sich auf den blanken

Marmortischen mit Stift und Pinsel austobten. An Stelle dieser systematischen Tischbeklecksung,

 die eine Menge Stegreiftalent auslöste, entstanden die Albums der Hagengesellschaft,

 in denen die unausrottbare juxlaune der vom Schicksale zu einstweiligem

Trübsalblasen Angehaltenen - sie hatten nämlich alle zusammen nichts zu tun - sich in

praktischerer, weil durch keinen Kellnerschwamm wegwaschbarer Weise betätigte. Ein

Gedicht Ernst Stöhrs, der diese Albumpolitik anregte, mit einer Zeichnung Rudolf Bachers,

worin die ganze Tischzeichnerclique dargestellt ist, zierte das erste Blatt des ersten

Folianten. Von der Hagengesellschaft, der auch Nichtkünstler angehörten, spalteten sich

dann Teile ab. Eine Gruppe Verschwörer braute in der „weißen Rose" bei den Paulanem
            
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