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Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 1)

In großer Auswahl stellen sich 
die französischen Spitzen dar. Nahe 
Verwandtschaft mit den nieder- 
ländischen bemerkt man zum Bei- 
spiel bei den Lillespitzen mit ihrem 
Anklang an die von Mecheln. Lille- 
spitzen haben als besonderes Kenn- 
zeichen geraden Rand und oR mit 
Zierstichen geschmückte ausge- 
sparte Ovale. Chantillyspitzen sind 
aus Seide geklöppelt und kommen 
vielfach schwarz vor. 
Die französische Nadelspitze 
Findet ihre edelste Vertretung in der 
Louis XIV- Spitze _ Points de 
France - aus der Colbertschen 
Manufaktur. Ein fabelhaftes Beispiel 
von ihr sieht man in der Mantille 
der Gräfin l-larrach, aus dem Nach- 
laß der Fürstin Liegnitz. Viel gilt 
auch Alencon, mit ihrer über 
Pferdehaar („wie behauptet wird, 
bei feinster Arbeit über Menschen- 
haar") gearbeiteten Umränderung. 
„Eingedrückte" kleine Streumuster 
sind ihr Motiv. 
Nahe steht der Alenconspitze, 
nur mit einem anderen Grunde, 
Argentan, die hier durch eine hervor- 
ragende Regencespitze der Gräfin 
Geldern-Egmontrepräsentiertwird. 
InreicherVollständigkeitwer- 
den dann noch Proben aus vielen 
anderen Welten gegeben; Klöppel- 
spitzen des Erzgebirges, Nadel- 
spitzen des Riesengebirges, meist 
in Nachahmung fremder Stile. 
spanischer Blonden vornehmlich; englisch-irische Spitze, auch meist eklektisch, mit 
Ausnahme der Carrick Maiross, die eigentlich eine ausgeschnittene Stickerei ist, und der 
Durchzugspitze von Limerick. Nordische Spitzen sind interessant illustriert durch den 
„Königin Luise"-Sonnenschirmbezug vom Jahre 1800, in einem schwedischen Kloster 
gearbeitet. 
Altspanischen Einfiuß zeigen die meist von Indianerinnen gearbeiteten südamerika- 
nischen Spitzen. 
Für die moderne Formensprache in der Spitzentechnik ist vor allem wichtig 
Frankreich und Österreich. 
Der delikate Spitzenkünstler Frankreichs ist Aubert. Er führte die farbige Spitze ein. 
Aus farbigen Seidenfäden lällt er eine Neu-Chantilly herstellen. Alle Gattungen 
berücksichtigt er, Kragen, Einsätze, Fächer, Schirmbespannungen, auch ganze Kostüme 
werden gearbeitet. In dem zarten Netzgrund der Chantilly blüht spielendes, Leben, ver- 
schlungenes Blütengezweig, Schmetterlingsfiattern, Wiegen und Neigen von Blüten 
und l-lalmen. 
Huzulenweib auf der Straße in Uscie-Putilla Flachsgam spinnend. 
Nach einer Photographie von Direktor W. Hamann
	        

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