MAK

Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 1)

 
Fest eingebaute Möbel in einem Hause zu V-Vattwyl 
eine künstlerische Tat. Diese aber muß man heute unter den Leistungen der 
unternehmerischen Baumeister mit der Laterne suchen. 
Besonders auffallend hat sich der Gegensatz zwischen älteren und 
neuen Häusern in den industriellen Gegenden der Gebirgsländer entwickelt. 
Das Toggenburg, ein zirka 12 Stunden langes Tal im schweizerischen 
Kanton St. Gallen, bei Wyl, umsäumt von baumbestandenen Hügeln, längs 
der Thur beginnend und zwischen immer höher, steiler ansteigenden Bergen 
eingebettet, bis es im I-Iintergrunde zwischen den steil abfallenden Fels- 
wänden der Säntisgruppe einerseits, der Churlirsten andrerseits als eigent- 
liches Hochtal bei Wildhaus endigt, gibt der drastischen Beispiele hiefür eine 
ganze Menge. Die noch vorhandenen, zahlreichen alten Häuser sprechen 
ebenso sehr für die ehemals hoch ausgebildete handwerkliche Tüchtigkeit, 
für klares und sachlich richtiges Überlegen wie auch für ein stark entwickeltes 
künstlerisches Gefühl. Das Neue dagegen ist durchweg unerfreulich, roh und 
Beweis für den Rückschritt der allgemeinen Anschauung - dieselbe Erschei- 
nung, wie sie überall zu Tage tritt. 
Daß das industrielle Element in einem Lande nicht notgedrungenerweise 
eine vollständige Entgleisung architektonischer Formengestaltung mit sich 
zu bringen braucht, sondern im Nutzbau, nicht bloß beim Landsitz, sondern 
auch beim Arbeiterhause unter Anlehnung an die bodenständige Bauweise 
vorzüglichen, künstlerisch wertvollen Erscheinungen durchaus nicht hinder- 
lich im Wege steht, beweist die neuzeitliche englische Architektur. Niemand 
wird den Briten nachrühmen wollen, sie hätten lediglich aus ideellen Gründen 
die Wiederanknüpfung an die Erscheinung älterer Bauten gesucht und 
gefunden. Auch dort hielt die Periode des „Aufräumens" mit älteren Bauten 
ihren Verwüstungs- und Verhäßlichungszug durch das Land. Auch dort muß- 
ten fremde Beispiele, die gar nicht zur Natur des Landes passen, herhalten,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.