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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 2)

 
Karolingischer Tragaltar mit Eltenbeinschnitzereien und Ornamentfriesen aus vergoldetem Silberblech 
(Kirche Saint-Aubin in Namur) 
ornament in feinst nuanciertem Grubenschmelz ausgeführt. Die Bewegung 
der beiden Figuren ist preziös, entbehrt aber keineswegs einer gewissen 
Anmut. 
Hier sei noch ein kleines Klappaltärchen aus Herzoglich Arenberg'schem 
Besitze von etwas späterer Stilistik erwähnt. Der Mittelteil zeigt unter dem 
Brustbild des Weltenrichters eine Vertiefung für die Reliquien, daneben zwei 
Erzengel, unter ihnen die Köpfe der „Oratio" und der „Elemosina", den 
ganzen unteren Teil nimmt die „]ustitia" als Seelenwägerin ein - also noch 
eine antikische Allegorie gleichsam als Vorbotin der in Italien gerade jetzt be- 
ginnenden Renaissance - zu der sich „Misericordia" und „Pietas" mit der für 
das frühe Mittelalter charakteristischen orientalischen Devotionsgebärde der 
verhüllten Hände fürbittend wenden; die beiden Flügel werden von Posaunen 
blasenden Cherubim und den der Erde entsteigenden Toten eingenommen. 
Die hölische, unangenehm bewegte Gebärde späterer jahrhunderte ist bei den 
meisten dieser Gestalten schon bemerkbar. - Die gotische Kunst konnte sich 
ihrer ganzen Stilpsychologie nach nicht mit den breiten Flächen des opaken 
Emails zufriedengeben: sie suchte alles aufzuteilen, feingliedriger zu ge- 
stalten, deshalb griff sie zu dem transluziden Glasflusse, diesem eine häufig 
aus dünnem Silberblech bestehende Unterlage gebend, die eine Gravierung, 
zum Beispiel kleine Quadrate mit Segment- und Diagonallinien, erhielt. Als 
Beispiel nenne ich hiefür einen wimpergüberragten, Haleniiankierten 
Miniaturklappaltar aus der Kirche Saint-Aubain zu Namur: Golgatha mit 
allen seinen Episoden darstellend, des eckig bewegten hochgotischen Stiles, 
der, wie schon erwähnt, in der Mitte des XIV. Jahrhunderts seinen Sieges- 
lauf durch die Welt von der Isle de France aus antrat. Die blaue und 
grüne Farbe herrscht hier vor, daneben ist dunkles Gelb und Ziegelrot 
sparsam verwendet; alles in allem eine zu der Silbergoldlegierung des 
Rahmenwerkes, in dessen Fuß noch eine „Grablegung" graviert ist, nicht 
übel passende Farbenauswahl. 
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