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Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

vorderen Asiens. Schon Per- 
sien war, wie gesagt, verhält- 
nismäßig spät zu bildender 
Kunst gelangt, erst als ganz 
Vorderasien bis zum Indus hin 
unter seiner Herrschaft zu 
einem großen Staats- und Kul- 
turgebiete vereinigt worden 
war. Damals machten sich eben 
die Einflüsse all der unterwor- 
fenen Gebiete, darunter auch 
der griechischen, geltend. Da- 
mals begann aber Persien und 
damit die ganze westliche 
Kunst auch schon auf Indien 
zu wirken. 
Es ist merkwürdig, wie 
der Inder nun zu den eigen- 
tümlichen Mischgestalten aus 
verschiedenen Tieren, wie Vor- 
derasien sie ausgebildet hat, 
greift, um für seine eigenen 
religiösen Vorstellungen aus 
buddhistischer undvorbuddhis- _ 
tischer Zeit Verkörperungen zu 
finden." Aber das indische Na- 
turgefühlweiß, wie auch Grün- 
wedel hervorhebt, diese starren 
vorderasiatischen Formen von Seidensloff im South-Kensington-Museum nach den 
Grund auf neu zu beleben. „Portfolios of lndustrialAi-t" ' 
Schon vor Buddha ist dem 
Inder das Leben der Menschen ja nur ein Stadium der Entwicklung; die 
Außenwelt fesselt ihn in mancher Beziehung fast mehr als das eigene Ich. 
So sind ja auch in der Dichtung die Handlungen eigentlich nur ein Vorwand 
für Naturschilderungen. Selbst noch zur Zeit des Königs Acoka, der den 
Buddhismus in der Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhundertes zur Staats- 
religion machte, werden die eigentlichen religiösen Personen nicht darge- 
stellt. Wenn die Wunder Buddhas vorgeführt werden, so erscheint er selbst 
doch nie; es ist nur der Schauplatz, es sind die Zeugen der Tat wiedergegeben. 
Die Außenwelt wird aber mit größter Liebe geschildert; alles wird in 
Einzelszenen aufgelöst. Überall zeigt sich tropische Pracht und Fülle, oft 
"' Von den Garuda, die wohl auf vorderasiatische Gestalten zurückgehen, aber dann in der indischen 
Umwandlung auch für den Westen wieder Bedeutung erlangen. W" in m95" Zßilslihfifi, 1905, 3- 37 8611011 
die Rede.
	        
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