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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 3)

Überraschend und frappierend treHen ferner manche kleinere Stücke von Friedrich

Karl Hausmann. Das große von ihm bekannte Gemälde ßGalileix, das übrigens hier nicht

hängt, gilt als konventionell. Nun sieht man aber hier von ihm Studien und Skizzen zu

diesem Werk, die durch den verwegenen Strich, durch die koloristische Verve fabelhaft

packen. Wie er die Versammlung der Kardinäle als einen mächtigen dumpfen Farbenakkord

in Rot hinsetzt und ähnlich die spitzmützigen Bischöfe in Weiß pointiert, das ist ausdruckstark.

 Natürlich könnte man dagegen sagen, daß vielleicht das, was uns hier als griifsicherer

Impressionismus entzückt, vom guten l-lausmann sehr unbeabsichtigt gewesen sein mag,

daß er diese Dinge nur als Farbenprobestücke ansah, die erst ins Reine geschrieben werden

müßten.

Das wäre freilich möglich und die schulmäßige Ausführung des Galilei in seiner

letzten Redaktion scheint diese Meinung durchaus zu bestätigen. Aber ganz so klar liegt

dieser künstlerisch interessante Fall Hausrnann denn doch nicht.

Man sieht hier noch andere Bilder von ihm, die „Galeerensklaven" und den „Meeresstrand",

 sie scheinen von ihrem Schöpfer als fertig angesehen zu sein, vor allem das Letzte.

Und diese beiden Werke sind voll grandiosen und kühnen Wurfes. Die Galeerensklaven

haben in ihren infemalischen Charakteristiken einen Zug Daumierscher Dämonie und die

schwelenden rotbrandigen Farben erinnern an Brangwynsche Mischungen. Und das

Strandbild mit der buntfleckigen Koloristik der liegenden Menschen in mannigfachster

Tracht auf gelbem Sande - es sieht aus, als habe ein SchiE seinen Inhalt chaotisch ans

Land geworfen, eine Art Menschenstrandgut - ist mit einem Furioso hingestrichen, mit

einer Vehemenz des breit daherfahrenden Pinsels, wie es in dieser Zeit (1852 ist das Bild

signiert) selten war in Deutschland.

Wenn man nach solchen Persönlichkeitsstudien wieder Kunstgeographie treibt und

in die geschlossenen Kreise provinzieller Gruppen tritt, so verweilt man angeregt in der

Frankfurter Gegend bei Peter Bumitz und seinen weichschwebenden, nebeldichten Regenstimmungen

 über Bäumen am Wasser und bei Anton Burgers echt und liebevoll festgehaltenen

 bäuerlichen Höfen, Stuben und Küchen.

In der Münchener Zone fesselt ein Schwind-Kabinett. Je kleiner die Bildchen, je lieblicher;

 so die volksliedhafte Morgenstunde, das junge Mädchen, das mit bloßen Füllen und

kurzem Röckchen am offenen Fenster steht und die Frühe atmet. Die größeren Ausstattungsstücke

 aber, wie der Aschenbrödel-Zyklus in dem vielfach gefelderten Rahmen

haben in ihrer blanken Malweise etwas vom Bilderbogen. Was wir an Schwind lieben,

die beschauliche Träumerei, die heimliche Stillvergnügtheit des inneren Seins, das Sonntagskindhafte

 des Gefühls, gekräftigt durch gemütlich-derben Humor, das alles hatte auch

ein anderer Münchener, und der war außerdem noch ein Maler von feinfühligstem Farbengeschmack.

 Und der war Karl Spitzweg. Das Spitzweg-Kämmerchen mit seinem reichen

Inhalt will uns gar nicht wieder loslassen.

Man kann sich von diesen Bildern etwas vorfabulieren lassen. Sie erzählen die reizendsten

 Alltagsmärchen aus alten deutschen Kleinstädten mit Marktplätzen, Giebeldächem,

 Nachtwächtern, Stadtxnusikanten. Aus den Mansardenfenstem gucken über

Blumenbrettem mit altmodischen Töpfen mit Reseda, Goldlack und Primeln, Stormsche,

Raabesche und Mörickesche Menschenwesen, zipfelmützige Hagestolze, die bedachtsam

nach dem Wetter schauen und ehrbarlich die Nachbarin oder das ältliche Fräulein

gegenüber begrüßen. Das harmlose Glück in der Weltabgewandtheit zeigen diese Bilder;

und jener Goethesche Abendstundenspruch steht über diesem heiter ruhevollen Reich: „So

sind wir denn vorerst ganz still zu Haus, - Von Tür zu Türe sieht es lieblich aus".

Aber solch inhaltliches Vorstellungsvergniigen ist nur ein Teil des Genusses, den

uns Spitzweg bringt. Nicht kleiner, ja eigentlich noch bestrickender ist das, was er malerisch

 bietet. Seine Bilder haben einen tonigen Schmelz, eine Weichheit im Gegeneinander

der farbigen Flächen - der Spaziergang zum Beispiel mit dem Zusammenklang des gelben

Komfeldes mit dem bunten Sonntagsgewand des lustwandelnden Paares - die sublim
            
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