MAK

Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

 
Häuser in Marling, Tirol 
Gepräge verleiht, vermochte aber auch häufig fremde Einflüsse so weit zu 
assimilieren, daß die äußeren Einwirkungen fühlbar bleiben, aber nicht 
störend wirken. 
Und gerade diese Verarbeitung verschieden gearteter äußerer Einflüsse 
zu einem organischen Ganzen macht alte bürgerliche Bauwerke oft so 
interessant und lehrreich und fordert zur sorgfältigen Betrachtung heraus. 
Sie zeigen darin den schärfsten Gegensatz zu den anspruchvollen Bau- 
werken unserer Zeit, von denen sie überall verdrängt werden. 
Während im XIX. Jahrhundert die Genauigkeit der Nachbildungen 
und damit die Unselbständigkeit der Erfindung ein Programmpunkt der 
Bautätigkeit wird und die Stilkopie zur Regel macht, wirkt in jenen älteren 
Zeiten der Einiiuß fremder Bautraditionen ungleich schwächer und wächst 
selten über eine Anregung hinaus. Es wurden einst nur freie Bearbeitungen 
und selbständige Umdichtungen geboten, in Fällen, wo unsere Zeit eine 
wortgetreue Übersetzung verlangt. 
Wenn wir die Grundmotive auf ihrer Wanderung durch die Monarchie 
verfolgen, so werden wir deutlich gewahr, wie sehr sich ihre Ausdrucks- 
formen ändern, je weiter wir uns vom Ursprungsland fortbewegen. Wie 
endlich nur mehr Spuren vorhanden sind, die so schwach anklingen, wie 
Stimmen aus weiter Ferne. 
Solche Erscheinungen fallen uns besonders auf, wenn wir von Trient 
über Bozen nordwärts ziehen bis zum Inn und dann zur Donau ostwärts 
wandern.
	        
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