Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

viele andere Stücke und zeigen einen seltenen

Reichtum des Anschauens und der wechselnden

charakteristischen Mittel.

Das lange, schmale, lebensgroße Damenporträt

mit dem delikaten, streitigen, mattblauen Kleid auf

einem Ledertapetenhintergrund hat raffinierten Geschmack

 und es ist dabei nicht nur dekorativ, sondern

in der Zeichnung des Kopfes wesenhaft und ausdruckstark.



Frappanten Griff zeigen die Pariser Ausschnitte,

die Cafeszenen mit ihrem fabelhaft gebannten Rhythmus

 der Menschen und den leidenschaßlich empfundenen

 Farben- und Lichtstimmungen des Raumes

mit den Lampen, den Wolken des Tabakrauches, dem

Bunt der Damenkostürne, dem Schwarz der Herrenanzüge

 und dem Weiß der Kellnerdress. Luminöse

Effekte von phosphoreszierendem Schimmer leuchten

über dem Folies-Bergere-Bild.

Ganz anderer Art wieder ist sein Negertanz. Der

wirkt als eine originelle Komposition breitgestrichener

Flächen. Brandig, gelbe Sand- und Steinmauem-Annosphäre,

 darin das Grau der sackartigen Gewänder,

 daraus auftauchend die schwarzen Vitzli-putzli-Masken

 der Neger.

Und ähnlich, aber buntscheckiger ist die kalei- _

doskopische Impression eines Marktgewühls. Pimmainaussteuung i" Tmppam "ihn"

Finessen koloristischer Feinschmeckerei sind Figur ums tanzenden Baum mka "so

(Kap-Nr. 631)

schließlich die Stilleben. Die Teekannen, die Atelierecke

 haben einen gern in kömiges Gelb verklingenden Schmelz der Nuancen, daß man

an die farbige Haut edler Poterien erinnert wird.

Gegen diese Kunst treten die anderen belgischen Bilder dieser Ausstellung weit

zurück. Die roten Kartoffelschälerinnen Frederics, an sich vielleicht als Farbeneffekte flott

und frisch, wirken hier, in dieser abgetönten Nachbarschaft, scharf und grell. Eugen

Laerrnanns „Bauem" machen einen geklügelten Kompositionseindruck und Emile Claus'

Lemonnier-Porträt hat etwas Glattes, Konventionelles.

Ein Reich für sich zum Ausleben ward den Neu-Impressionisten zugewiesen.

Im lichten Saal funkelt es nun von den die Wände bedeckenden getupften, punktierten

 Bildpaletten.

Das war eigentlich kein guter Gedanke, diese Gruppe so in geschlossener Front

vorzuführen. Einmal hat es etwas Pedantisches, etwas von Tendenz-Demonstration, die

dem freien unschemaüschen Wesen der Sezession gar nicht entspricht. Zweitens aber,

und das ist der viel schwerere Einwand, ist diese Art der Vorführung der Pointillierart

durchaus ungünstig.

Die Wirkung der Bilder in solcher Technik besteht bekanntlich darin, daß die in

reiner unverrnischter Farbe auf die Leinwand gesetzten Punkte durch das Auge des

Betrachters in einem optischen Prozeß zum koloristischen Ensemble vereinigt werden und

in der richtigen Distanz allerdings eine große Leuchtkraft erhalten.

In einem solchen Kreuzfeuer der verschiedensten Points-Feuerwerke, die hier das Sehorgan

 treffen, gibt es aber nur Verwirrung und auch das gutwilligste Auge hat schließlich

nur ein fatales Flimmergefühl statt des reinen Eindrucks, den vielleicht ein gut gehängtes

Einzelbild in dieser Technik machen könnte. Die Genossen stehen sich hier drangvoll

selbst im Wege und statt auf den lebendigen kommt man auf den toten Punkt.


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.