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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 5)

Josef Engelhan, Siesta, Pastell



überströmt er von saftiger Lokalmalerei. Da kommt jener Tanz im Sophiensaal,

 wo die feiste Köchin, in giftgrün gleißendem Seidenkostüm, mit ihrem

sehr „schieberisch" aufgelegten Galan durch die Wirbel des Walzers rast;

einer der kecksten Griffe Engelharts ins Wiener Leben und dessen strotzenden

 animalischen Humor. Wenn irgend ein Wiener Lebensbild, so gehört

dieses in eine Wiener Galerie, ohne Rücksicht auf die Rücksichtslosigkeit,

mit der dieser Sohn des Volkes die Wahrheit sagt. Und gleichzeitig sah man

die „Blumenmädchen", diese stadtbekannten Exemplare des ewig Überweiblichen,

 dann jene Bank voll mannigfach kostümierter Maskenballdämchen,

 wo die tolle Farbenlaune des Zufalls eine ganze Musterkarte von

Möglichkeiten der Buntheit zusammengewürfelt hat. Dann den Tisch im

Ballrestaurant, über den sich ein junges frisches Wesen neigt. Und -

so recht aus der gewohnten Sommerfrische am Wörthersee heraus - die

vier Kinder des Künstlers, nebst handarbeitender Mama, die Lisi, die Christel,

die Mariedl und den Michel; diesen amphibischenjungen in Schvvimmhosen,

der einzig denkbaren Tracht für den Sprößling eines passionierten Segelsportsman,

 und die kleinste Kleine gar in Evas kleidsamer Uniform. Diese

ungemein frischen Bilder sind jetzt in dem ganz schiffskabinenmäßig holzvertäfelten

 Vorzimmer der Engelhartschen Wohnung in die Naturbretter

der Wände eingelassen. Das alles fröhliche Lebenskraft und Lebenslust,

unbesorgt die Schönheit des Daseins genießend, die Freude in ihrer Positivität,

die Welt im Sonnenschein. Und doch darin ein ernster Schlagschatten, voll

Sammlung im Gemüt, ein Denkmal warmer Pietät: das Bronzedenkmal, das

der Sohn dem Vater aufs Grab stellte. Engelhart als Plastiker feierte mit

dieser mannhaften Aktügur, die sich mit emporgehobenem Laken die Tränen
            
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