weißlackierter Kasten einem Eisspind gleich verdrängt. Das ist eine Karikatur, ein
schlechter Maskenscherz.
Glücklicher werden gewisse Zweckmäßigkeitsmotive aufgenommen. Sepp Kaiser
gibt seinem Eßtisch nach Makintosh' Vorbild keine die Menschenbeine störenden Rund-
träger, sondern schräg in die Eckschnittpunkte eingesetzte brettartige Stützen, die wenig
Raum einnehmen und der Berührung glatte Flächen bieten.
Wiener Ursprungs ist ein anderes außerordentlich praküsches Tischmotiv, das hier
bei Grenander wiederkehrt. Die Träger der Platte sind nicht am Rand eingesetzt, sondern
sie vereinigen sich im Mittelpunkt, so daß die Platte frei liegt, und unten wurzeln sie in
einem breiten, krähigen Sockel, der mit gehämmertem Metall beschlagen zugleich als eine
Fußbank für die Sitzenden dient.
Von Wien stammt auch die Wiederaufnahme der zugleich schützenden und
schmückenden Metallbeschuhung für die Beine der Möbel.
Eigenpersönlich aber nicht glücklich scheint der Versuch Kurt Stoevings mit Möbeln
in vergoldetem Holz. Eine gewisse Feierlichkeitsstimrnung hat die eine Vitrine mit der
schmalen enggezogenen Goldstabverglasung, die sich oben zu einem Maßwerk verzweigt
und die Scheiben teilt. An Kirchenfenster denkt man oder an die Fassade einer Orgel.
Aber bei ausgesprochenen Gebrauchsmöbeln, zum Beispiel den Serviertischen, wirkt
dieser Goldstil doch fatal. Es kommt noch dazu, daß der Ton nicht den tiefen matten
Schimmer der altfranzösischen Möbel hat, auch nicht das Rauchige, dumpf Glühende antiker
Kirchenschnitzereien. Es ist ein ilauer gelber Ton, noch flauer, da er sich über langweilige
glatte Flächen ausbreitet, und er erinnert peinlich an gewisse Bronzierungskunststücke
verschönerungssüchtiger Hausfrauen aus der Zeit der „Schmücke Dein Heim-"Epidemie.
Einem so fein Ernpiindenden wie Kurt Stoeving kann dies Resultat wohl selbst kaum
gefallen.
Wenig paßt in diese künstlerische Gesellschaft die „Werkstatt für Kunstemail" von
C. C. Schirm. Diese Platten mit dem Pfau, mit der dekorativen Landschaft, haben wie
auch die anderen Proben etwas Blechmäßiges; ihre Koloristik ist ohne Tiefe, flach und
stumpf, sie gleicht nicht jenen triefenden Schmelztönen, die uns an wahren Emailphantasien
- Makintosh muß hier wieder genannt werden - entzücken.
Viel reicher als diese lndustrieware sind zwei kleine Emailzierate von Mohrbutter
geraten.
Es sind Anhänger, Silberplatten, auf denen ein Käfer sitzt, und die Behandlung
der Flügeldecken, einmal in einem irisierenden hellen Grün von metallischem Reflex, beim
zweiten in einer aparten grauweißen Marmorierung, hat Qualität.
Anerkennung verdienen noch die Beleuchtungskompositionen. Körnig stellt hohe
Kandelaber aus, die Großzügigkeit mit Anmut verbinden. Ihre Formen sind sehr gelungene
Baumstilisierungen. In freiwüchsiger Führung strebt der Schaft auf und öffnet sich oben
zu einer ausstrahlenden Krone, von deren Ausläufern traubig die Glühkörper herabhängen,
Lichterpalmen.
Auch einige Formen von elektrischen Tischlampen Grenanders sind in ihrer einfachen
„technischen" Reinheit und Richtigkeit sehr erfreulich: schlanke Metallständer, die ovale
matte Glasglocken tragen, und dieser Glaskörper hat eine Montierungsfassung von ver-
zweigtem Metalliiligran, zwischen dessen gelben Linien das lichtgraue Glas hindurch-
schimmert.
vortrefflich ist die Keramik vertreten. Die Berliner königliche Porzellanmanufaktur
zeigt hier, wie viel sie durch die Mitarbeit eines modernen Künstlers, Theos Schmuz-
Baudiß an lebendigem Gegenwartszusammenhang gewonnen.
Wie die anderen gekrönten Manufakturen, wie Sevres und Meißen, versucht Berlin,
jetzt gegen die Vorherrschaft der delikaten nordischen Porzellane, der Kopenhagener
Königlichen'mit den drei Wellenlinien im Wappen, der Bing und Gröhndalschen und der
des Schweden Röhrstrand sich zu behaupten.