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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 5)

haben. Diese Oberlichtsäle liegen höher als der Eingangsraum und die aufführenden

Stufen werden durch edle Säulenstellungen betont, die dann zu einem, den ersten Saal

abschließenden Nischenbau leiten. Laubenartig entwickelt er sich mit seinen Truhenbänken

 hinter steinernen Balustraden. Schön ist die Wandbehandlung in diesen Sälen.

Besonders eine mattgraulila Bespannung in tiefen alten Tönen hat Kultur.

Im zweiten Oberlichtsaal soll sich später unter dem Deckensirns ein Fries hinziehen,

aus Abgüssen nach dem Cellafries des Parthenon. Die provisorischen Tannengewinde am

Eröffnungstage wirkten aber auch sehr dekorativ. Und vielleicht ist dieser Schmuck für

solche Salons, die doch bei aller Gepilegtheit die Bescheidenheit des neutralen Hintergrundes

 für wechselnde Kollektionen wahren sollten, geeigneter, als die etwas zu

monumentale Belastung durch den antiken Fries.

Die Eröffnungsausstellung ist sehr repräsentativ, natürlich international und durchaus

 vielseitig in der Physiognomie.

Eduard von Gebhard findet man hier und Paul Baums Pointilliermanier in einer

Kanallandschaft im Spätherbst.

Bracht erscheint mit einer sturmüberwehten I-Ierbstlandschaft in derMuldenniederung.

Dills weißes Dachauermoor hat jenes gespenstisch fahle Einsamkeitskolorit, das für die

Bilder dieses Malers so charakteristisch ist. Von Dettmann sieht man die großzügig mit

epischem Schwung hingestellten drei Friesenmädchen, die über die Haide fegen, in den

altertümlich starren Kleidern, gleich Figuren einer rustikalen Heraldik.

Haiders schlichte deutsche Volksliedpoesie voll Stille und Innigkeit weht über seiner

bayerischen Seelandschaft. Zügel packt durch die prachtvollen, farben- und Sonnestrotzenden

 Tierbilder vom Wasser und Moor.

Von Klinger hängt ein älteres Bild da,Abend mit dem dekorativen Reigen dreierMädchen

auf geblümter Au. Und Kampf unterhält mit prickelnden koloristischen Pikanterien, Opernlogen

 und Zirkusmanegen mit ihrem schillernden Konfettispiel und Paillettenfeuerwerk.

Meisterlich stellt sich die Plastik dar.- Hildebrandts seelisch-essenzielle Menschendeutekunst

 in letzten einfachsten Linien genießt man in den Portraitbüsten Ignaz Döllingers,

Friedrich Hammachers und des ProfessorsKronecker. Mit einem Hebbel-Wort möchte man

von den Werken dieses beherrschenden Formwillens sagen: Wie ist das iiltriert.

Des Belgiers Lagae Skulpturen haben herbe Wahrhaftigkeit und die Pietro Canonicas

Anmut und den reifen Geschmack Florentiner Kultur.

Von den Malern des Auslandes sieht man englische Bildniskunst von Lavery und

Landschaften von Hamilton und Paterson.

Frankreich ist vertreten durch Emile Claus mit lyrischen Farbenstimmungen der

Kapuzinerkresse und des Sonnenstrahls und Charles Cottets Landschaften.

Aus dem Norden kommen die Schweden Kallstenius mit seinem glühenden Abendfanal

 des nördlichen Mitternachtssonnenhimmels und Karl Larsson mit seinen freundlichen

Kinderstuben in einer liebenswürdigen und ihren Stil echt treffenden Bilderbogentechnik.

Nur gehört solch wandfriesartiger Schmuck wohl kaum in einen pompösen Goldrahmen.

Ferner der Däne Kroyer mit dem sehr lebendigen Bild des wandelnden hellgekleideten

Paares im farbigen Licht des Sommerabends am Strand bei Skagen.

Schließlich findet man auch noch eine gewählte Reihe Bilder alter Kunst, Italiener,

Niederländer, Engländer, Franzosen. Darunter ist die kulturell fesselnde Monkada-Serie des

David Teniers. Es ist die Historie Antonio Monkadas, der den Rebellen Cabrera, denVerräter

 der Königin Bianka von Sizilien, schlägt und unterwirft. 1663-64 sind diese Bilder,

die von der Familie Monkada bestellt wurden, entstanden. Sie haben Randgemälde von

johann van Kessel.

Ein hervorragendes Stück ist auch das Stilleben von Albert Cuyp. Totes Geiiügel

liegt im Vordergrund, ein Jäger steht dabei am alten Fährhaus vor dem gefrorenen Fluß,

im Hintergrund sieht man die Kirche von Dortrecht. Der farbige Einklang in dieser reichen

Komposition ist bewunderungswürdig. Felix Poppenberg
            
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