Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

Wirkung verfehlt und so allmählich die richtige Erkenntnis sich Bahn

gebrochen haben. Diese dritte Art, Murrinen herzustellen, bestand darin,

daß man wie bei Perlen und anderen gläsernen Schmucksachen aus

farbig gemusterten Stabbündeln durch Schnitte in wagrechter, schräger

und senkrechter Richtung Plättchen und Streifen Zuschnitt, diese durch

Erhitzung erweichte und in eine Hohlform zusammenlegte, der sie durch

Blasen angepaßt und dabei gleichzeitig in der Regel durch einen einfarbigen

Überfang im Innern des Gefäßes zusammengehalten wurden. Diese leichtere

und darum viel wohlfeilere Methode konnte aber erst nach der Erfindung

des Glasblasens, also in der Zeit zu Beginn unserer Zeitrechnung eingeschlagen

 werden, wodurch dieser außerordentliche Fortschritt in der Glasindustrie

 aufs neue seine weittragende Bedeutung offenbarte. Was früher

mühselig und unter vielen Opfern an mißlungenen Exemplaren, die durch

innere, unvorhergesehene Spalten und Risse verdarben, mit dem Schleifrade

herausgearbeitet werden mußte, gelang jetzt ohne sonderliche Mühe. Solche

Arbeiten unterscheiden sich von den_anderen durch Dünnwandigkeit und

leichtere Formen, wenn sie auch lange nicht so fein abgeschliffen und ziseliert

sind und auch in der Tiefe und Glut der Farben, dem feinen Schmelz des

Lüsters den aus der Masse herausgeschliffenen Arbeiten weit nachstehen.

Die Stücke der dritten Art, namentlich flachrunde oder halbkugelige Schalen

mit und ohne Fuß, Becher, Pokale sind sehr häufig und in allen Sammlungen

von Altertümern zu finden, ebenso größere oder kleinere Plättchen, die zu

Einlagen dienten oder als Schmuckstücke gefaßt wurden. Sie sind auch in

rheinischen und französischen Gräbern nicht selten, jedoch nur in solchen

der früheren Kaiserzeit, da von der Mitte des I. Jahrhunderts ab der

Geschmack in der Glasindustrie andere Wege einschlug und namentlich

das in Formen geblasene farblose Glas bevorzugte. Ein schönes Exemplar

fand man sogar weit nach dem Osten Deutschlands versprengt in

Sackrau bei Breslau, an einer der alten nach dem Bernsteinland der

Ostsee führenden Handelsstraße." Auch eine bei I-Iellange im Luxemburgischen

 entdeckte halbkugelige Schale sowie einige Trierer Funde dieser

Art zeichnen sich durch originelle und lebhafte Farbenmusterung aus." Diese

Stücke illustrieren zugleich die beiden verschiedenen Arten der Herstellung.

Während die mit bunten Blümchen dekorierte Schale von Sackrau, also Millefiori

 im eigentlichen Sinne, aus der Masse durch Schliff herausgearbeitet ist,

erscheint die von Hellange aus vier identischen, durch gekreuzte Streifen

verbundenen Plättchen zusammengesetzt. Derartige Arbeiten konnten Plinius

leicht als Nachahmungen der Murrinen in Glas erscheinen, während er die

aus der Masse herausgeschliffenen schon wegen der an Steinschnitt erinnernden

 Technik für Arbeiten aus Stein hielt. jene unterscheiden sich

gewöhnlich auch leicht durch die Musterung, weil bei der Zusammensetzung

der Fläche aus Plättchen und Streifen oft eine Wiederholung der gleichen

' Vgl. Grempler, DerFund von Sackrau, Breslau 1888. Wir entnehmen dieserAbhandlung dieAbbildungen

Seite 53611540. - " Publications dela Seetion historique de Luxernbourg 1854.Bd. IX. Vgl. Abbildung Seite537.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.