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Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 10)

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Schlagens zittert noch über die Fläche, sie streckt sich in knitterig welligen Strahlen und 
mit allen Poren empfängt sie die Lichtreiiexe und strömt sie wieder aus. Diese „Redet metalli- 
ques" sind aber nicht gleißend und blendend, sie haben eher einen dumpfen, tiefen Glanz. 
In anderen Sälen spielt die leichtere Illuminationsstimmung vieler schwebender Einzel- 
gehänge, jener Lampionstil der glöckchenleicht an Schnüren hängenden elektrischen 
Leuchtkugeln, wie sie die schottischen und die Wiener Innenkünste lieben. Das Licht 
wird bei dieser Taktik geschickt zur Füllung und Belebung des leeren Luftraumes der 
Zimmer benutzt, der nun von schimmerndem Schwebeklang erfüllt ist. Festliche Stimmung 
kommt daraus, die Anregungen japanischer Papierlaternen und italienischer Girandolen 
sind hier, unterstützt durch die so dankbar variable Eigenschaft des elektrischen Lichtes, 
fortgebildet worden. 
Solche Schwebelichtsymphonie wallt auch durch das Prunk- und Renommierstück 
des Hauses, den Onyxsaal mit seiner grünen Stichkappendecke. 
Aber hier ist die Instrumentation nicht rein gelungen. Diese schimmernden Stein- 
wände in ihrer an sich bestrickenden Koloristik, voll irisierendem Meeresleuchten, klingen 
so tonstark, daß die Wölbung darüber hohl wirkt und auch die schwebenden Glühlicht- 
sterne matt werden. Dieser Raum bekommt durch die unökonomische Verteilung seiner 
wirkenden Kräfte etwas I-laltloses. Ihm fehlt der eigentliche Raumschluß. Es wallt und 
wogt durcheinander in einer schwindelerregenden, enervierenden, unendlichen Melodie. 
Gefährliche Eigenschaften sind aber das für einen Trinksaal. 
Hier ist auch ein Riemerschmied sonst fern liegender Pornp- und Feierlichkeitszug 
betont. 
Eine viel reinere Physiognomie als die weiten Hallen zeigen jene kleinen Kojen des 
ersten Stockes, von denen die Betrachtung ausging. Sie haben etwas Behaglich-Geschlos- 
senes. Wie die kleinen Fenster als ein Friesarrangement in die Vertäfelung einbezogen 
sind, wie die niedrigen Decken gleich einem Schutzdach auf dem Kastenraum aufliegen, 
das hat einen beschaulich bergenden Gehäusecharakter. Ein unten zu monumentaler Wirkung 
geführtesMotiv kehrt hier in einerVariante wieder: die mit Messingblech beschlageneDecke. 
Sie hat in dem niedrigen Gemach natürlich nicht jenes tirmamentale Lichtkranzornament. 
Sie ist den Dimensionen entsprechend zierlicher gehämmert und sie dient in dieser Behand- 
lung gefügig und erfolgreich der Intimitätsstimmung dieser lauschigen Kajüte. Und man 
denkt zwischen diesen Holzwänden, über die das gehämmerte Messing sich streckt und 
spannt, an jene hübschen, mit feinhäutigem Metall beschlagenen Holzkasten, die in den 
Nürnberger Meisterkursen unter Riemerschmieds Leitung gearbeitet wurden. 
Das Haus Trarbach signe Riemerschmied scheint Ehrgeiz und Nacheiferung geweckt 
zu haben. Leider nicht im guten Sinne, sondern in dem kleinlichen des Überschreiens und 
Übertrumpfens. 
Das sehr populäre Weinrestaurant Kempinski mußte sich nun auch neu einkleiden. 
Als Dekorateur wurde Otto Balcke berufen, der den blauen Saal des Ausstellungspalastes 
mit Säulen, Mosaiken, Büsten, Triumphportalen, Reliefs und Trophäenschmuck entworfen. 
Die Wahl schien nicht sehr glücklich und das Resultat war ein buntes Ausstattungs- 
stück rnit brillierenden Knalleifekten. 
Die reformatorischen Erfolge der Sachlichkeitsbewegung sind doch sehr geringe, 
wenn ein großes Restaurant mit so kleinlicher Putzsucht, mit glitzernden Fetzen aller 
Kulturen behandelt wird. Intarsien, Mosaiken, Figürliche Schnitzereien machen sich in den 
Fluren breit, die Farben sind aufdringlich. Das Hauptstück der Renovierung, die Doppel- 
fassade, ist in fatalem Kulissenstil.
	        

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