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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 11)


Die National Competition xgoö, William H. Pegg, Noningham, Entwurf für einen Spitzenfächer

geschoben, während die Mitte eben allein schon durch die Stellung in ihrer

Bedeutung gesichert war. Man kann beinahe sagen, die spätere Idee des

jüngeren Fischer ist durch Jadot folgerichtiger durchgeführt worden, als durch

Fischer selbst. Es ist dies aber nicht so verwunderlich. Es ist ein Fortschreiten

 von französisch inspirierter Wiener Kunst zu wirklichem

Franzosentume. Allerdings, die große Idee bleibt das Werk des Wiener

Baukünstlers.

Die Ansicht der Burgfassade ist besonders dadurch von so großer

Bedeutung für uns, weil sie die einzige aus der Zeit der fortdauernden alten

Tradition ist, die uns überhaupt die Kuppeln zeigt; diese einzige Ansicht

bietet nun aber keine Mittelkuppel!

Jadot, der - wie gesagt -- auch den großen Hof nach dem Außentore

richtet, zieht damit gewissermaßen die letzte Konsequenz aus dem Streben,

die Burg nach der Stadtseite hin möglichst wirkungsvoll zu gestalten."

jadot stellt auch insofern gewissermaßen den Schluß der älteren Entwicklung

 des Baugedankens dar, als bei dem fortschreitenden Einfiusse des

französischen Geistes nun tatsächlich ein Franzose selbst oder wenigstens

ein französischer Lothringer an die Stelle der heimischen Baukünstler getreten

 ist. Seine Ideen sind gewiß groß, aber sie sind Ideen geblieben. Was

wirklich geschaffen wurde, wie die I-Iofbibliothek, die Reichskanzlei, die Reitschule,

 hat der Österreicher geschaffen. Und selbst Jadot mußte sich bei dem

Entwurfe für die äußere Fassade Fischers Ideen beugen.

"' Es gibt nur einen Schritt weiter und auch den scheint jadot getan zu haben. Wir finden nämlich in der

k. k. I-lofbibliothek drei allerdings nur ganz skizzenhafte Entwürfe, die den nunmehr verschobenen Innenhof

von den Seitenhöfen zum Teile nur durch Säulenhallen getrennt zeigen, eine gewiß sehr malerische Lösung;

sie erinnert einigermaßen an das Palais royal in Paris, an das Schloß Cbristiansborg (x73: bis 1740) oder das

Stadtscbloß in Potsdam (seit 1740). Die Vorderseite ist dabei einmal noch mit Beniitzung eines Teiles der

alten Reichskanzlei, ein andermal ganz neu, ausgeführt; ein drittesmal, und das ist am überraschendsten, ist der

ganze vordere Längstrskt (die Reichskanzlei) weggerissen und der Hof in ähnlicher Weise wie bei dem oben

besprochenen Plane der Hofburg (Abbildung auf Seite 624) geöffnet.
            
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