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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 11)

656

immer noch neue Projekte entstanden. Später war der Faden der Überlieferung

 jedoch abgerissen und ein ganz anderes - rein klassizistisches

- Kunstfühlen an die Stelle des alten getreten.

Wir dürfen daher in unserer geschichtlichen Übersicht hier wohl halt

machen. "'

FF 41

Nur ganz rasch sei ein Blick auf einige spätere Arbeiten geworfen."

In der k. u. k. Familientideikommiß-Bibliothek finden sich zwei stark

klassizistische Entwürfe von Joh. Ferd. Hetzendorf von Hohenberg, dem

Erbauer der schönen Gloriette in Schönbrunn; offenbar ist ihm auch ein

zweiter Entwurf in der Hofbibliothek zuzuschreiben undvielleichthängtnoch

ein weiterer, der wieder in der k. und k. FideikommiB-Bibliothek verwahrt

wird, mit ihm zusammen. Nach den mehrfach an dem Bau angebrachten

Initialen gehört dieser Entwurf sicher erst in die Zeit Kaiser Leopolds II.

(1790 bis 1792). Es sind diese Entwürfe in Hohenbergs Art die ersten bekannten

 Zeichnungen eines Künstlers, die den Bau mit drei Kuppeln, nämlich

zwei Eckkuppeln und einer größeren in der Mitte, darstellen. (Abbildung auf

Seite 638.)

Die späte Zeit sah eben die alten Reste und wollte ihnen allen gleiches

Recht werden lassen; so kam das Mittelrund, das von anderen Baukünstlern

 inzwischen überhaupt schon aufgegeben worden war, dessen Reste,

aber aus einer überwundenen Bauperiode noch dastanden, zu seiner

mächtigen Krönung.

Allerdings haben sich auch aus der klassizistischen Zeit noch Entwürfe

ohne Mittelkuppel erhalten; so eine, übrigens sehr stümperhafte, Arbeit eines

gewissen Gfalli" aus dem Jahre 1796 (gleichfalls in der k. u. k. Familienfideikommiß-Bibliothek)

 oder eine der beiden, die in der„Wiener Bauhütte"

(Band XVIII, Blatt 1-4) abgebildet sind und die schon Bayer-i als Schülerübungen,

 und zwar als Übungen zweier verschiedener Schüler, erkannt hat.

" Der Hofarchitekt Johann Aman war in den Jahre 1806 bis etwa 1827 mit Plänen für einen vom Kaiser

Franz beabsichtigten Umbau oder Ausbau der Burg beschäftigt. Um seinen Arbeiten sozusagen eine geschichtlich

 gesicherte Unterlage zu bieten, versuchte er eine Übersicht über die ältere Baugeschichte der Hofburg

 zu geben und stattete sie mit einer großen Anzahl von Grundrissen und Aufrissen aus; die Arbeit befindet

sich heute in der k. u. k. Familienftdeikommiß-Bibliothek. Die Aufrisse betreffen allerdings nur den mittelalterlichen

 Zustand; für die Barockzeit sind nur Grundrisse gegeben und leider reicht der heute noch erhaltene

Text auch nicht bis in diese Zeit. Es wire möglich, daß Aman noch ältere Zeichnungen zur Verfügung standen,

die uns heute verloren gegangen sind.

Der auf die Zeit Karls VI. bezügliche Plan zeigt auch bereits 5 Fenster in den Rilcklagen, aber zwischen

ihnen immer nur einen Pilaster; das Tor kann nicht in das erste Stockwerk übergreifen, da hier vorne ein ununterbrochener

 gangartiger Raum angegeben ist; eine Rotunde ist noch vorhanden, braucht aber natürlich keine

Kuppel zu tragen. Ob dieser Plan je so existierte oder einer Kombination Amans seine Entstehung verdankt,

vermag ich einstweilen nicht zu entscheiden.

Für die Zeit Maria Theresias und Josephs II. ist einer der Pläne Jadots (mit freier Säulenhalle) angegeben

und die Jahreszahl 1745 dazugesetzt, was ganz gut richtig sein kann.

"' Über einen Plan, den der Maler und Architekt Anton Gfall (r7x5-x77o) anfertigte und der bei Realis

sehr gerilhrnt wird, vermag ich weiter nichts zu sagen.

H" Aber nicht des eben in der Anmerkung genannten.

1- "Neue Freie Presse" 13. Juni 188g.
            
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