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Full text: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 11)

und seine wohlgetroffene Gipsbiiste von Erwin 
Pendl. Unter den Statuetten erscheint auch, 
nach langer Zeit, Artur Strasser wieder; sein 
„Augur" und „Steinträgew sind Bronze und mit 
bekannter Feinschrneckerei polychromiert. Viel 
Talent ist in den Lobmeyrschen Kinderplaketten 
von Otto I-Iofner. Ein Hauptinteresse der Aus- 
stellung aber lenkt sich auf die Arbeiten des früh- 
verstorbenen Medailleurs F. X. Pawlik, die seine 
Witwe mit vielem Verständnis geordnet hat. Man 
sieht da seinen ganzen Entwieklungsgang, von 
Tautenhayn über Scharff (dessen Gedächtnis- 
plakette eines seiner besten Werke ist) bis in die 
moderne weich fließende, malerische Weise 
hinein. Pawlik hinterläßt eine ganze Porträtgalerie 
von Zeitgenossen, darunter ganz hervorragende 
Arbeiten (Familie Dr. Fischhof, Abt Karl von 
Melk, Eduard B. Forst u. s. w.). Seine letzte Me- 
daille war die auf Adalbert Stifter. Der Klub der 
Münzen- und Medaillenfreunde hat ihn viel an- 
geregt. Interessant zum Beispiel die „Neujahrs- 
karten" des Herrn Bachofen von Echt (seit r8g8). 
Auch Bürgermeister Richter von Retz ließ durch 
ihn alle lokalgeschichtlichen Episoden verewigen. 
Daß er auch im Auslande Anklang fand, beweist 
schon, daß die Pariser Münze sich von einem 
seiner Werkchen eigens ein Exemplar prägen 
ließ. Es ist ein Anhänger, den nur noch die 
Herren böhr und Nentwich besitzen. 
EZESSION. Die xxvn. Ausstellung der 
Sezession ist in- und ausländisch gut be- 
schickt und bietet mannigfaltigen Schaustoff. Den 
Ehrenplatz hat Eugene Carriere inne, dessen 
Andenken durch ein Viertelhundert Bilder er- 
neuert wird. Obenan steht das große Bild: 
„Theater in Belleville", das so voll ist vom 
Zauberspuk des Alltags, vom Husch-Husch der Lichter und Schatten, daß das ganze 
Menschenleben sich gleichsam als Schattenspiel symbolisiert. So ist ja sein ganzes Werk. 
Auch die Bildnisse, wie sein eigenes und das seiner Frau, sind voll dieser ergreifenden 
Symbolik der Vergänglichkeit. Ihm gab sie auch eine eigene Technik ein, dieses Malen in 
leichten, seichten Tönen, die er ineinander spielen läßt und denen er die feinsten Anklänge 
der Wirklichkeit als Lichter aufsetzt. Niemals ist die Grisaille lebendiger gewesen als bei 
ihm, der sie zu einer neuen Art von Kolorismus ausbildete. Besnard, La Touche und 
Skarbina, auch drei feine Farbenspürer, sind ihm als Genossen beigegeben. Und zwar von 
Besnard zwei vorzügliche Porträte: Emil Sauer und der französische Botschafter Barrere 
in Diplomatengala, jener mehr als scharfe Skizze gegeben, dieser mit einem eigenen non- 
chalanten Aplomb der Behandlung. Neu für Wien ist der junge Spanier Jose Maria Sert, 
dessen Malereien für die Kathedrale von Vich in Katalonien (Kampf Jakobs mit dem Engel 
u. a.) eine mächtige Vision von Muskeln und Farbe bedeuten. Die begleitenden Kartons 
zeigen den nicht gewöhnlichen Umfang seiner Phantasie. Ein neuer Gast ist auch der inRom 
malende Karl Hofer, der an Anfänge oder Fortsetzungen Hodlers erinnert. Er ist ein Fresko- 
Aus dem Reliquienschatze des Hauses Braun- 
schweig-Lüneburg, Patene des heil. Bernward
	        

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