Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 11)

Aus dem Reliquienschatze des Hauses Braunschweig-Lüneburg, Tragaltar des Eilbertus



temperament und sollte Wände zu bemalen kriegen. Der monumentale Mensch, also

natürlich mit Vorliebe Akt, ist sein Lieblingsthema, und zwar behandelt er ihn mit einer

Naivetät, die ihren komischen Zug hat. Er streift die Chinoiserie und das gibt diesen

Szenen einen Zug jener frischen Barbarei, der in unserer Überkulturwelt ein neuer Reiz

geworden ist. Bilder wie „Frauen am Meere", „Susanna", „Zwei Porträte" haben ihre

deutliche Eigenart. Ein neuer Mann ist ferner der Spanier Castelucho, dessen elegante

Salondame ein iigurantes Bild abgibt, ohne doch eine neue interessante Anschauung von

farbigem Wesen zu bringen, wie sie Anglada nach Zuloaga gebracht hat. Etwas Überraschendes

 hat noch der junge Pole Ladislav Slewinsky (Zakopane), dessen Blumenstücke

förmlich an Cezanne erinnern. Landschaftlich ist ihm sein Landsmann Filipkiewicz über,

dessen Schneebilder insbesondere sich mit seltener Kraft in Licht und Farbe setzen. Den

schneeigsten Schnee freilich, den absoluten Schnee, fast über Axel Gallen hinaus, liefert

Oskar Moll. So schneit es erst seit wenigen Jahren. Unter dem landschaftlichen Nachwuchs

treten diesmal Rene Stengel und Adolf Zdrasila besonders hervor. Einige unserer Wiener

leisten in ihrer Weise Erfreuliches. Lenz hat zwei große figurenreiche Praterbilder von

frischer Beobachtung und tiefer Farbe; Stöhr einige Akte in rot und grün gemengter

Reflexmanier, einmal mit einem vorzüglichen Hintergrund von Fichtendickicht; Novak

ist ungemein fein in einem Stückchen altmodischen Interieurs mit Stilleben; Karl Müller

hat wieder einige alte Wiener Hofansichten mit allem lokalen Behagen abgemalt, dazu

aber auch zwei Ansichten aus der Wohnung Brahms', eine mit seinem Schreibtisch, die

an aktenmäßiger Genauigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Willkommen sei Rösch, der

nach zwanzigjährigem Auslandleben wieder in Wien eingerückt ist, und zwar mit einer

Reihe tonfeiner Aquarelle aus Spanien, durchaus architektonischer Art, dazwischen aber

auch einer großen „Ruine in Schönbrunn". Otto Friedrich, Friedrich König und Leopold

Stolba lassen ihren fröhlichen Geistern freie Bahn. Sehr bemerkenswert sind aber auch

ein paar Stücke Plastik. Hellmer bringt eine mächtige Bronzevase, eigentlich Cachepot,

mit einem umlaufenden l-lochrelief allerbacchischesten Inhalts; Hanaks weiblicher Torso

in Marmor ist ein hervorragendes Werk, das in eine Sammlung gehört, und sein Brunnen

mit aufrechtem männlichen Akt ist echte plastische Plastik; Müllner versucht sich an

einem Soldatendenkmal für „Hel]", das in jetziger denkmalfroher Zeit gewiß Beachtung

verdient. Schließlich geht auch das Kunstgewerbe nicht leer aus. Ashbee zum Beispiel füllt

mehrere originelle Vitrinen Leopold Bauers mit neuesten Silberarbeiten. Auch die Sessel

Bauers und die Möbel Oerleys sind recht anziehend. Und die architektonische Einkleidung

der Ausstellung ist von Plecnik und Bauer mit Geschmack besorgt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.