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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 12)

verdienen gute Noten. Die Damen Hilda und Nora Exner sind als Plastiker längst anerkannt;

eine merkwürdige Zumbusch-Stilisierung in Marmor und eine Marmorgruppe „Liebe" (von

Nora) und eine anmutig schlicht gegebene Mädchenbüste in Bronze (Hilda) sind des Beifalls

sicher. Fritz Zeymer aber hat für Langenzersdorf ein bemerkenswert hübsches modernes

Landhaus, mit geschnittenen Baumgängen um die Hofterrasse, modelliert. Gleichzeitig sah

man eine Spezialausstellung origineller Handarbeiten von Frau Amalie Szeps. Häkelspitzen

 und Perlenarbeiten. In den letzteren besonders ist ein eigener Erfindungsgeist

und eine selbstgeschalfene Virtuosität, die in Paris auf der Ausstellung der „Arts de la

femme" mit einem wohlverdienten Preis ausgezeichnet wurden. Diese Ridiküls, Kolliers,

Krawatten und so weiter, aus Stahl-, Granat-, Bernstein- und weißen Glasperlen in allerlei

geschmackvollen Kombinationen sind in der Tat eine Spezialität und haben sich sogar

flott verkauft. Frau Szeps ist aus der Rasse, die uns auch Henriette Mankiewicz

gegeben hat.

EÜES ZUR WIENER BARQCKE. Dr. losefDernjac hat diesen Sommer eine

gehaltvolle Arbeit zur Wiener Barocke erscheinen lassen: „Die Wiener Kirchen des

XVII. und XVIII. Jahrhunderts" (Wien, Hölder, mit gg Illustrationen). Er vergleicht diese

Bauwerke mit allen vorhandenen alten Aufnahmen, die zum Teil von der schließlichen

Form sehr abweichen, hat aber auch die gute Idee, aus den Archiven der Wiener Stadtbaudirektion

 eine Anzahl bisher unbeachteter genauer Aufnahmen heranzuziehen, die ein

Wiener Stadtbaudirektor in den Sechzigerjahren von den damals sehr gering geschätzten

Bauten gemacht hat. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend. Es stellt sich heraus,

daß die Vorbilder, teils italienische, teils niederländische, nur um wenige ]ahrzehnte älter

waren als die Wiener Ableger, und zwar standen schon einige italienische Muster unter

dem Einliuß der katholischen Niederlande. Die Aufklärungszeit ließ sogar die einfachen

protestantischen Formen in Wien aufkommen. Die deutsch-niederländische Spätrenaissance

(Dietterlin, de Vriendt und andere) mit ihren schlanken dreistöckigen Fassaden, den seitlichen

 „Anläufen", Doppeltürmen, absonderlichen Turmhelmen und so weiter wird in Wien

der mächtigen lombardisch-römischen Schule (Domenico Fontana,Martino Lunghi der ältere,

Carlo Maderna und andere) und ihrer breit hingelagerten Zweistöckigkeit nie ganz verdrängt.

 Mancher direkte Hinweis ist sehr einleuchtend. Vorbildlich ist zum Beispiel die

Abteikirche von Averbode-lez-Diest, des Rubens-Schülers Faid'herbe, die dem Architekten

aus Sanderus' „Chorographia sacra Brabantiae 165g" und Le Roys „Coenobia et Castella

Brabantiae 1667" bekannt wurde und zuerst jenen Zentralraum in die Vierung einfügt,

der in unserer Peterskirche, nach Berninischem Vorgang in Sant Andrea am Quirinal,

ovale Form erhält. Die Kirche zu Averbode hat aber vielleicht schon das unmittelbare Urbild

 der Peterskirche, Carlo Rainaldis Santa Maria di Monte Santo auf Piazza del Popolo in

Rom (sowie Francesco da Volterras S. Giacomo de' Incurabili) direkt beeinfiußt. Bemerkenswert

 ist es, daß Dernjaä die Peterskirche nebst der Salesianerkirche wieder

J. B. Fischer von Erlach zuschreibt, dem sie bekanntlich von Ilg abgenommen worden.

Was ihn übrigens nicht verhindert, Fischer als „Eklektiker" niedriger einzuschätzen als

die originelleren I-lildebrandt und Galli-Bibiena. Seine Analyse der Karlskirche stellt diesen

Eklektizismus in ein helles Licht. Das Motiv einer Kuppel zwischen zwei spiralig relieiierten

„Trajansäulen" führt er auf Bartolis zwanzig Jahre älteres Werk: „Romanae magnitudinis

 monumenta" zurück, wo außer den beiden römischen Kaisersäulen auch der

restaurierte Tempel des I-Ionos und der Virtus, eine Rotunde mit zwei Ehrensäulen, publiziert

 ist. Die Wiener Reliefsäulen entsprechen übrigens, wie bekannt, den Säulen des

Herkules vom Wappen Karls V. Die Konkavfassade ist zuerst von Fr. Borromini bei dem

Oratorium von S. Filippo Neri (x65o) und San Joso della Sapienza angewendet, weist aber

direkt auf Rainaldis prächtige Santa Agnese in Piazza Navona (1652). Die Durchgänge unter

den Türmen sind San Pietro entlehnt, die französisch durchgebildete Attika kommt von

der Pariser Eglise des Minimes, die senkrechten Ovalfenster sind in Oberitalien (Guarini
            
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