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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 12)

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Die Frage der Stadtbahn hängt mit der Stadterweiterung 
auf das Innigste zusammen. Gegenwärtig befindet sich die Stadterweiterung 
in einem sehr günstigen Stadium. Die eine Seite der Stadterweiterung, 
die Regulirung der inneren Stadt Wien, ist nahezu vollendet, und 
es ist in rationeller Weise finanziell alles vorbereitet, um die Vollendung 
dieser Regulirung durchzuführen. Es handelt sich aber jetzt darum, jenen 
Theil der Stadterweiterung in Angriff zu nehmen, der bisher nicht in 
Angriff genommen werden konnte. Wien ist bekanntlich eine Stadt, deren 
Straßen an der Peripherie gegen das Centrum der Stadt concentrisch 
laufen. Das Innere der Stadt ist regulirt, für einen großen Theil der Stadt, 
insbesondere jenen des innerhalb der Linienwälle liegenden, liegt bereits 
ein Plan vor, nach welchem die Regulirung vorgenommen werden muss. 
Was aber fehlt, das ist die Regulirung jener Bauanlagen und Straßenzüge, 
welche in den Vororten liegen; dort liegen die Ausgangspunkte der Linien, 
welche sich concentrisch nach dem eigentlichen Wien bewegen. Die 
Regulirung dieser Vororte und ihrer Straße nzüge ist die Aufgabe 
der nächsten Zeit und die rechte Zeit, diese Frage zu erörtern, 
fachmännisch und mit Berücksichtigung aller dahin einschlagenden fragen, 
ist jetzt, wo die Frage der Stadtbahn durchgeführt werden soll. 
Mir kommt es nicht zu, die Frage zu beantworten, wie die mittleren 
Schulen der Vororte organisirt werden sollen, wenn man es dem Wiener 
Publicum möglich machen will, sich in den Vororten mit Familie wohnlich 
einzurichten, ohne die Erziehung zahlreicher Familien zu gefährden. Denn 
bei den gegenwärtigen Verhältnissen sind die sanitären und culturellen 
Interessen der Bevölkerung von Wien durch die Schul- und Bauverhältnisse 
geschädigt. Eine Familie, welche in Mödling oder Purkersdorf den Sommer 
lebt, ist selten in der Lage, die Erziehung der Kinder selbst mit großen 
Opfern genügend durchzuführen. Und wie viele Beamtenfamilien und 
Gewerbetreibende gibt es nicht in Wien und seinen Vorstädten, die gerne 
in jenen Orten wohnen würden, wenn es eine Stadtbahn gäbe, wie es die 
Berliner Stadtbahn ist? 
Mir kommt es nicht zu, die technischen Vorfragen auch nur 
andeutungsweise zu besprechen, was aber die künstlerischen Interessen 
betrifft, welche sich auf die Ausführung der Stadtbahn beziehen, so hege 
ich die volle Ueberzeugung, dass die künstlerischen Interessen 
Wiens ihre volle Befriedigung finden können, wenn ein Plan zur 
Durchführung kommt, der einsichtsvoll die Interessen der Kunst pflegt. 
Auch weiß ich aus dem Munde der hervorragendsten Architekten, dass 
eine baukünstlerische Lösung der Stadtbahn möglich ist, wenn man die 
rechten Männer in rechter Weise zu Wort kommen lässt. Den Weg der 
Verschleppung würde man aber in Wien einschlagen, wenn man viel 
köpfige Körperschaften in’s Mitleid ziehen würde, in welchen diese Frage 
in parlamentarischer Form behandelt wird, und wo technische Fachmänner,
	        
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