Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift X (1907 / Heft 1)

prinzipieller Unterschied nicht besteht

zwischen dem Tapeziermeisterwerk von

1880, der Zeit der Markart-Bukette und

Eichenbüfette in deutscher Renaissance

(Hirths „Deutsche Zimmer") und dem vom

Architekten 1906 eingerichteten modernen

Hause. Hier wie dort unpersönlich, was

den Bewohner betrifft, trotz der „persönlichen

 Note" des schaffenden Künstlers.

Und was die Historischen unter uns mit

dem festen sicheren Stilgefühl am meisten

quälte und schmerzte, das war, daß gar

kein moderner Stil wurde, lauterVersuche,

aber kein Stil. Vielleicht, und das muß

ehrlich betont werden, ist das gar nicht

mehr möglich. Ein Stil ist das Produkt

einer großen durchgehenden, im kleinsten

Detail nicht versagenden, organisch herangewachsenen

 Weltanschauung, einer geschlossenen

 allgemeinen Kultur der bei

der Stilbildung in Betracht kommenden

Menschen. Alles das fehlt uns heute und

wir sehen auch noch nicht die Möglichkeit,

 es zu erreichen.

Und dieser Unmöglichkeit steht in

tiefer, erschütternder Tragik gegenüber

das furchtbare ernste Ringen, in dem so unendlich viel gesunde blühende

Kraft dahinstarb. Das flog in heißem Sehnen hinaus

ins Uferlose und versank endlich. Eine tiefe unbefriedigte

 Verstimmung griff Platz. Ich rede ja

nicht von den kleinbürgerlichen und kaufmännischen

 Verzerrungen des modernen Kunstgewerbes,

 die mit Vorliebe als „sezessionistisch" und

als „im Jugendstil" angepriesen werden und für die

besonders deutsche Ausstellungen unerschöpfliches

Material geben, man muß von vielen Werken der

führenden Künstler sprechen. Auf der letzten

deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden,

im heutigen Sommer, haben so viele dies peinliche

Gefühl nicht verscheuchen können. Bei uns in

Österreich ist es wohl immer besser gewesen als

im neuen Reich, der alte sichere kunstgewerbliche

Takt scheut hier manches, was draußen entsteht,

Gewichtsmörser aus Messing, reich geschnitten,

 XVII. Jahrhundert



Rotglasierter Wasserkrug, _ _ _ _

xvL hmhundm aber auch in Wien hatten wir Zeichen der großen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.