Unsicherheit; in der Raumkunst, der Möbeltischlerei
eine gewisse Öde, Farbenunsicherheit,
ja geradezu falsche Stimmung. Das machte und
ließ unbefriedigt. Ein toter Punkt war erreicht,
den großen kunstgewerblichen Produzenten nur
allzu deutlich erkennbar.' Die meisten Menschen
von Geschmack und Kultur wollten und konnten
in einem modernen, ihnen eingerichteten Interieur
nicht leben, ihrem Raumgefühl widerstrebte
diese Raumkunst. Vielleicht sind sie
wohl zu sehr historisch infiziert. In Parenthese
übrigens gesagt, die Franzosen, die genialen
Schöpfer der modernen Malerei, wissen und
wollen auch wenig von moderner Möbel- und
Raumkunst wissen. L'Art nouveau war nicht
viel mehr als ein einzelner
Versuch eines Ausländers
und das Castel Beranger in
Auteuil, dasWerk Guimard,
ist nicht mehr das Ziel von
Wallfahrern. Es ist auch
charakteristisch, daß die
Käufer der gewiß bewundernswerten und uniken Bijoux von
Lalique auf der Pariser Weltausstellung meist Bühnenkünstlerinnen
(Sarah Bernhardt) und reiche Amerikanerinnen
und ausländische, meist deutsche Museen waren.
Und in England in den I-Iäusern des Komfort, auch
in den Schlössern unserer Aristokraten, die gewiß bequem
und geschmackvoll zu leben und zu wohnen verstehen
seit alters, hat die „Moderne" keinen Eingang gefunden.
Und doch oder trotzdem gibt es keine mustergültigeren
Vorbilder für Wohnungseinrichtung als ein englisches
I-Iome. Man darf übrigens Englands modernes Kunstgewerbe
nicht nach dem „Studio" beurteilen. Das wäre
verkehrt.
Das waren nach meinem Gefühl wohl die Gründe,
welche die Leitung des k. k. Österreichischen Museums
veranlaßten, ein neues und doch altes Rezept hervorzuholen,
es wieder einmal mit den historischen Stilen zu
versuchen, getreue, mustergültige, historisch richtige Interieurs
aus verschiedenen Zeiten, sicheren geschlossenen
Stilepochen zusammenzustellen. Ich kann rnir nicht denken,
daß es sich dabei einfach darum handelt, genau
Holzkrug, XVI. jahrhunden
. . _ _ __ Mohnmö ,XVI. hwieder
zu kopieren - denn ein gotlsches dusteres 12:4", Ja t