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MAK

Full text : Monatszeitschrift X (1907 / Heft 1)

Eckpartie in dem neuen Bodenseedampfer „Rhein", entworfen von H. E. v. Berlepsch-Valendäs in Planegg-München





KLEINE NACHRICHTEN 5th

US DEM BERLINER KÜNSTLEBEN. Im Salon Cassirer ist die Schwarz-Weiß-Ausstellung

 der Sezession eröffnet worden. Temperament und Physiognomie

lebt in den Spiegelungen dieser zeichnenden Künste und es ist von unerschöpflicher Anregung,

 die wechselnde Fülle dieser Handschriften zu studieren.

Außerordentlich fesselnd stellt sich hier das zeichnerische Werk Vincent van Goghs

dar. Dieser Künstler-Schmerzensmann, der gleich dem Maler des Zolaschen l'Oeuvre sich

vor dem farbigen Phänomen konvulsivisch berauschte und von seinem Fieber verzehrt

wurde, ein Besessener, der keine Befriedigung für die rasende Wut seines kolorisüschen

Nachschaffensdranges errang, hat sich in seinen Bleistiftblättern ein Reich erobert, in der

er der Sklaverei des Wetteiferns mit der Natur entgeht und souverän zum unabhängigen

Herrn der Darstellung wird. Gogh hat sich eine kühne und fabelhaft sichere Technik ausgebildet,

 eine Strichführung, die die Natur nicht ängstlich ab- und nachzuschreiben sich

bemüht, sondern in einer ganz eigenen fruchtbringenden Art die Bilder in den Sinnen des

Betrachters hervorruft und erwachen läßt.

Aus einem Kreuz und Quer, aus einem Zickzackgewirr von Strichen baut sich lebenund

 anschauungzeugend das Garten- oder Feldmotiv auf. Eine manchmal fast ornamentale

Musterung, - Spitzengewebe, Schachbrettfelderungen, Ellipsen von Halmlinien durchschnitten,

 Ring- und Kreisiigurationen - schließt sich in der Distanz als ein gegenständlicher

 Naturausschnitt, als Epheu und Zypressen, als Flachlandschaft, als Blumengarten

als Dorfstraße, als Wasserhahn mit Booten zusammen.
            
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