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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Kärnten und Krain

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dreischiffige Hallenkirchen, deren jedes Schiff wie in St. Stefan in Wien mit dem halben 
Achteck schließt. Die Wiener Bauhütte hat überhaupt merkbaren Einfluß auf unsere Bau 
führungen ausgeübt, so z. B. hat die Anlage zweier Thürme an Stelle eines Querschiffes 
in St. Marein, das spitze Netzgewölbe in Maria-Saal seine Vorbilder im Stefansdome. 
Unter den Chören von Lieding, St. Georgen vor dem Weinberge, Eberndorf, Stein, 
Maria-Wörth, Heiligenblut, Liescha und anderen sind Krypten, unter der Kirche Johannes 
berg ist eine Unterkirche angebracht. 
Die Thurmanlage variirt sehr. Außer dem Aufbau des Thurmes über dem Chor 
quadrate oder der Apsis, wie es im XIII. Jahrhundert üblich war (z. B. in Feldkirchen, 
St. Veit, Maria-Gail, Meiselding, Launsdorf, Griffen, St. Ruprecht bei Völkermarkt, 
Keutschach, Guttaring rc.) kommt der Thurm bald nördlich, bald südlich vom Presbyterium, 
bald vor die Westfront zu stehen und bildet in seinem Untergeschoß im ersten Falle die 
Sacristei, im letzteren eine Portalvorhalle. Über den vier Giebeln erhebt sich der schlanke 
achtseitige, mit Steinplatten gedeckte Helm, wenn nicht wie häufig eine französische Haube 
oder ein sogenannter Kuppelthurm mit Laterne denselben verdrängt hat. Schöne Thürme 
mit maßwerkgefüllten Schallfenstern haben die Kirchen des Müll- und Gailthales, welche 
wohl in die letzte Zeit der Gothck fallen, wo die Rippen schon in Astwerk übergehen und 
die Strebepfeiler ganz wegfallen. Bei der Vorliebe des Bergvolkes für das Althergebrachte 
und beim vollständigen Hineinleben des Knnsthandwerks in die zusagenden Stilformen 
der Gothik hat sich diese Bauweise in unserem Lande fast bis in die Mitte des XVI. Jahr 
hunderts gehalten, nachdem schon längst die Renaissance an allen Grenzen siegreich ihren 
formenfröhlichen Einzug gehalten hat. 
Von den bisher erwähnten Bauwerken wollen wir nachstehende etwas eingehender 
besprechen. Der Gurker Dom. Heina, die reichbegüterte Gräfin von Friesach und 
Zeltschach, deren Genial ans der Rückkehr von der Wallfahrt zum Grabe des Apostels 
Jakobus starb und deren Söhne in einein Aufstand ermordet wurden, legte ihr fürstliches 
Erbe auf den Altar der von ihr 1042 erbauten Marienkirche in Gurk, errichtete dort 
einen Convent für 70 Nonnen und 20 Augustiner Chorherren und legte so den Grund 
zuni 1071 errichteten Bisthum. Fast hundert Jahre später, nach Klärung verschiedener 
Rechtsverhältnisse, ging man erst an die Erweiterung und den Ausbau des Domes. Im 
Jahre 1174 war derselbe soweit fertig, daß die Übertragung der Gebeine der Stifterin 
in die für sie erbaute Gruft stattfinden konnte. Da im Jahre 1216 der Laienaltar des 
heiligen Kreuzes eingeweiht wurde und als Stifter des Nonnenchoraltares ein Otto 
opiZLOpus iroir eonsooratus erscheint — wahrscheinlich der vor seiner Eonsecration 
gestorbene Bischof Otto (um 1214 gewühlt), — so muß die Kirche im zweiten Decenninm 
des XIII. Jahrhunderts im Wesentlichen vollendet gewesen sein. 
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