MAK

Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 3)

Üppigkeit gesteigert, die Flächen- 
füllung aber ist mit einer selbst- 
bewußten, leichten Sicherheit von 
diesem biederen Schreinermeister 
durchgeführt, um die ihn mancher 
heutige Kunstschulprofessor be- 
neiden dürfte. 
Ganz anders repräsentiert 
sich ein Sakristeischrank (Abb. 
20), der derselben Gegend ent- 
stammt, dem Schlosse Lauben- 
berg bei Röthesbach (in der Nähe 
von Lindau). Das verhältnismäßig 
einfache Schrankgebäude mit den 
breiten glatten Flügeltüren wirkt 
vor allem durch das Wenige an 
dekorativen Zutaten, wozu man 
die überall in deutschen Alpenvor- 
landen üblichen verästelten Eisen- 
beschläge rechnen darf, geradezu 
monumental. Die geschnitzten 
schmalen Füllungen sind noch 
echt gotisch und der einfache In- 
schriftfries mit Datum und Namen 
des Stifters „Anno' drTo (!) f E" f 
j cccc" f lv11" f" wk f ortolf f dich- 
macher 1' hä(t) l gastiftet)" kann 
in seiner Klarheit und seinem 
prächtigen Linienebenmaß man- 
cherWerkstätte zeigen, wie sich 
ornamentale Wirkung der Schrift 
im besten Sinne mit leichter Les- 
barkeit vereinigen läßt. Eigenartig 
ist das Heraufziehen der Seiten- 
Wände über die Deckplatte zu 
geschnitzt-durchbro chenen Wan- 
gen, ähnlich denen von Chor- 
stühlen. Was diesem Schrank 
aber seinen ganz besonderen 
Reiz verleiht, ist das - übrigens 
.. . . Abb. 27. Duppelgeschossiger toskanischer Schrank, spätes 
fruher Vlenelcht bemalte _ M3" XVI. Jahrhundert. Höhe 2,02, 13mm 1,33 Meter 
terial, ein ganz helles, nahezu 
metallischen Charakter zeigendes, sehr hartes Eichenholz (Steineiche? die 
allerdings nördlich der Alpen kaum wächst).
	        
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