MAK

Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

 
Abb. 20. Boumville, Gemeindehaus. Alex. Harvey, Architekt 
weiters als irrationell bezeichnet werden müssen. Anderseits erhebt weder 
der Verstand der Mieter, noch weniger aber derjenige der baulichen Gesetz- 
geber Einspruch gegen die Anlage großer, von Ost nach West laufender 
Straßenzüge, deren eine Seite, die Front nach Norden, nie von einem Sonnen- 
strahl getroffen werden. In einer der neuen Villenkolonien nächst München 
ist beispielsweise die anderthalb Kilometer lange Hauptstraße sorgsam so 
angelegt worden, daß Treppenhäuser, Küchen,Wasserklosettes und so weiter 
der einen Straßenseite nach Süden, also nach der Sonnenseite liegen, die 
Wohnräume aber nach Norden. Dafür zieht man aufs Land! Dafür sind die 
Erbauer solch irrationell angelegter Kolonien „studierte" Leute! . . . „Es er- 
ben sich Gesetz und Regel _ wie eine ewige Krankheit fort . . ." 
Die Horizontalausmaße der Räume dieser Arbeiterwohnungen entspre- 
chen dem Erfahrungsresultat, daß in Häusem, wo keine Dienstboten zwecks 
Verrichtung der Hausarbeit vorhanden sind, ein gewisses Höchstmaß nicht 
überschritten werden soll. Geschieht es dennoch, so ist die sorgsame Instand- 
haltung nicht mehr möglich, zumal da nicht, wo die weiblichen Mitglieder 
kleiner Haushaltungen für häusliche Verrichtungen nicht gerade begeistert 
sind. Wo weiter die Entwöhnung vom Alkoholgenuß die Menschen zu rich- 
tigem Überlegen führt, treten offenbar auch in dieser Hinsicht andere Ver- 
hältnisse ein. Bournville liefert den Beweis dafür. 
Die Preise für größere, an Raumzahl reichere Häuser, man könnte sie 
„Parlour-Häuser" nennen, in Bournville, gehen von dem genannten niedrigsten 
Satze (er gilt für I5 Häuser) aufwärts zu fünf Shilling drei Pence (62 Häuser), 
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