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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

 
 
 
 
 
künstlerischen Kultur des Bürgertums ist 
der bedeutungsvolle Einfluß Englands 
überall anerkannt, sogar in Frankreich. 
Die Anglomanie reicht noch in jene Epo- 
chen zurück, in welchen der moderne 
Engländer als gleichzeitig komische und 
halbbarbarische Fi- 
gur den Zeitge- 
nossen tendenziös 
vorgeführt wurde. 
Heute ist er schon 
lange das Bild eines 
bewußten, ener- 
gischen Lebens- 
künstlers, der auf 
dem sicheren Bo- 
den einer prakti- 
schen und doch 
veredelten, einer 
Geschnitztes Holzbett aus dem xvm. Jahrhundert, nach Bajol durch Alter ge ' 
festigten und durch 
Fortschrittsinn belebten, in bestem Sinn modernen Lebensanschauung steht, 
die der Kunst sehr entgegenkommt. England besitzt die herrlichsten Samm- 
lungen alter und die besten Pfianzstätten moderner Innenkunst. England hat 
an eine sehr alte, heimatliche und im Volkscharakter begründete Wohnungs- 
kunst angeknüpft und doch ein durchaus modernes, sehr entwickeltes und 
künstlerisch beeinfiußtes Wohnungswesen geschaffen, das früher als überall 
am Kontinent eine moderne Blütezeit erlebte. 
Und während das radikale und temperamentvolle Frankreich in seinem 
Wohnungswesen und vielfach noch im gesellschaftlichen Leben die Erbschaft 
einer aristokratischen Kultur weiterpfiegt, ist das konservative, bedächtige 
und zielbewußte England zu einer sehr entwickelten und festgefügten bürger- 
lichen Wohnungs- und Lebenskultur gelangt. 
Wenn wir die Entwicklung einer Raumbildung, wie jener des Schlaf- 
raums verfolgen, so werden wir diese eben besprochenen Gegensätze sehr 
deutlich ausgeprägt finden und werden gleichzeitig den Zusammenhang be- 
leuchten können, den sie mit der heimischen Wohnungskunst besitzen. 
Den natürlichen Ausgangspunkt solcher Betrachtung wird am besten 
das Mittelalter bilden. Es zeigen sich hier die ersten und darum auch die am 
tiefsten wurzelnden Schöpfungen einer selbständigen Wohnungskultur nörd- 
lich der Alpen; sie sind im Grunde nie ganz vergessen worden, wenn später 
auch zeitweilig der EinHuß der antiken Welt lebhaft in den Vordergrund 
getreten ist. Österreich ist in der besonders glücklichen Lage, eine sehr reiche 
und sehr vornehme Reihe von gut erhaltenen Innenräumen aufweisen zu
	        

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