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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

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nordische Museen zeigen) ist trotz seiner hygienischen Nachteile noch heute 
vielfach in Gebrauch. 
Wo der engere Anschluß an das Mittelalter stark gewahrt blieb, bleibt 
eine strengere und einfachere Anordnung oft auch bis zum XVII. Jahr- 
hundert aufrecht. Mit der zunehmenden Vervollkommnung des Tischler- 
handwerks, das im Rahmen- und Füllungswerk, in der bildhauerischen 
Schnitzarbeit, in Vergoldung, Bemalung und Intarsia immer feiner geartete 
künstlerische Ausdrucksmittel entwickelt, wird aus dem geradlinig geformten 
Möbel ein lebendiges, beweglich gegliedertes Gebilde, aus der vom Balken 
und vom Brett abhängigen Decken- und Wandbildung ein Schauplatz mannig- 
faltiger Schmuckformen für Getäfel, für flaches und plastisches Ornament. 
 
Bett Napoleons I. aus Groß -Trianon, nach Bajot 
Dort, wo der zunehmende Wohlstand Üppigkeit mit sich brachte und 
das äußerliche Bedürfnis nach Prunk auch in die intimsten Raumbildungen 
eindrang, tritt die Entfremdung von mittelalterlicher Enge und Strenge 
immer deutlicher zu Tage. 
Die spätere Epoche der Renaissancebewegung zeitigte sogar vielfach, 
besonders im Norden Deutschlands, eine Überladung an bildhauerischem 
Detail, das den konstruktiven Aufbau der Möbel ganz verschwinden läßt; 
durch figurales wie ornamentales Beiwerk entstehen oft recht phantastische 
Bildungen, die das Möbel seinem Zweck ganz entfremden und die Wand 
und Decke ihrer Flächenhaftigkeit berauben. 
Hier tritt ein Element der Dekorationsweise auf, das wohl zu den 
gröbsten Verstößen gegen den gesunden Sinn geführt hat. Es ist die Über- 
tragung der Steinarchitektur in das Innere des Hauses, die äußerlich deko- 
rative Anwendung des ganzen Apparats der Säulenordnungen und der
	        

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