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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

der Moden, die Kompliziertheit der Toi- 
lette und die unglaublichen Haartrachten 
bedenken, die Unnatürlichkeit der äußer- 
lichen Körperpflege, so werden wir leicht 
einsehen, warum der moderne Mensch in 
seinem englischen Kleide so gar nicht in 
den barocken Raum stimmen kann. Die 
Formen, wie die Gebrauchsstücke haben 
für uns ihren Sinn und ihre Bedeutung 
verloren; sie werden uns aber als Zeugen 
einer ungemein durchgebildeten und ent- 
wickelten formalen Geschmacksäußerung 
von großem Werte bleiben. Zum ersten 
Mal tritt in der neueren Zeit hier auch die 
Einwirkung ostasiatischer Kultur stark in 
denVordergrund, aber charakteristischer- 
weise sind es gerade die bizarren Chinoiserien, die durch ihre innere Ver- 
wandtschaft mit dem Empfinden der Barockzeit von dieser so rasch assi- 
miliert werden konnten, während die tiefer liegenden Seiten ostasiatischen 
Wesens erst später Einiluß gewinnen. 
Ferner sehen wir trotz aller Prunkliebe den Sinn für Intimität manchmal 
auch noch in höchsten Kreisen gewahrt und neu aufleben. In Versailles sind 
die privaten Wohn- und Schlafräume von Ludwig XVI. und Maria Antoinette 
eingebaut zwischen eine Gruppe von Sälen mit mächtigen Dimensionen, 
indem kleine Appartements von ge- 
ringer Geschoßhöhe und mit sehr 
schwachen Zwischenwänden über- 
einander gestellt und durch Zwischen- 
treppen verbunden sind. 
So kam das berühmte kleine 
Schlafzimmer-eben der unglück- 
lichen Königin zu stande, das in 
seiner graziösen und diskreten De- 
koration eine Perle ist. Auch die 
anmutigen Bilder Chardins wie die 
Stiche Chodowieckis erzählen von 
intimen bürgerlichen Räumen, in 
denen das kühne Pathos und der 
sprühende Übermut der aristokrati- 
schen Lebenskunst fremd sind, hin- 
gegen sanfte, gefällige und vor allem 
bequeme und einfache Bildungen den 
Bedürfnissen einfacherer Menschen Hydfia aus Anm, (Hogmuswm in Wim) 
 
Pyxis (Hofmuseum in Wien) 

	        
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