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MAK

Full text : Monatszeitschrift X (1907 / Heft 4)

259

aus älterer Zeit bilden diese

drei Stücke eine willkommene

 Ergänzung.

Unter den zahlreichen

und ethnologisch bedeutungsvollen

 Erwerbungen

der ETHNOGRAPHISCHEN

SAMMLUNG des NATUR-HISTORISCHEN

 HOF-MUSEUMS

 im Jahre 1906

wären vom künstlerischen

und kunsttechnischen Gesichtspunkt

 die Sammlungen

aus dem malayischen Archipel,

 von Ostgrönland und

vor allem die lamaistischmongolische

 Kollektion aus

Urga des Reisenden Hans

Leder zu nennen. Dank den

durch die Reisen des Direktors

 der ethnographischen

Abteilung am Naturhisto- Lamaistisches Kultgerät, Stupa (Hofrnuseum in Wien)

rischen Hofmuseum Regierungsrates

 Franz Heger in ]ava und den Sundainseln gewonnenen Beziehungen sind noch

Ende 1905 von verschiedenen Punkten des malayischen Archipels unter anderem eine

Reihe wertvoller und künstlerisch bedeutsamer Textilien eingelaufen, unter welchen eine

erlesene Sammlung der „slimoet" genannten Tücher von Roti, Savoe, jumba und Timor

hervorzuheben ist.

Eine Kollektion von javanischen Holzlarven für das populäre javanische Schauspiel,

in welchem stehende Typen zur Darstellung der alten, aus den indischen Epenstoffen übernommenen

 l-leldensagen der Kavi-Dichtung auffallen, verdient ebenfalls Erwähnung.

Ebenso eine kleine Sammlung schöner und reicher Waffen, Lanzen und Krisse aus Süd-Celebes,

 die das Museum neben anderem Material von Lombok, Bali und Sumbawa Herrn

E. Hulster in Medan, Sumatra, verdankt.

Von West- und Ostgrönland hat die Expedition der Herren Dr. Rudolf Trebitsch

und Dr. Robert Stiaßny eine bei dem gegenwärtigen völligen Niedergang der eigenartigen

 Eskimokultur doppelt willkommene und bedeutsame Sammlung eingebracht.

Bekannt ist die sowohl in bildnerischer wie zeichnerischer Beziehung hervorragende

künstlerische Begabung der Eskimo, die alle charakteristischen Züge der echten Jägerkunst

 aufweist. Die reiche Omamentierung in Bein und Holz, welche die Gebrauchsgegenstände

 der Ostgrönländer zeigen, sowie die in den Weiberarbeiten, Gürteln,

Täschchen, verschiedenem Schmuckzeug sich äußernde reiche textile Musterung sind

ebenso viele Bestätigungen für die bekannten künstlerischen Neigungen der polaren Jäger-Stämme.



Wirkliche Kunstleistungen im engeren Sinne des Wones liegen in der großen

lamaistisch-mongolischen Sammlung von Götterbildern, Tempelfahnen, Miniaturen, Kultgeräten

 und so weiter vor, die der österreichische Tibetreisende Hans Leder aus der westlichen

 Mongolei, zumeist aus Urga, dem mongolischen Rom, in die Heimat gebracht hat.

Lamaistische Sammlungen, welche das äußerst komplizierte nordbuddhistische Dogmensystem

 und die verwickelte, mehrfach geschichtete Ikonographie das Lamaismus in Tibet

nebst seinen mongolischen und chinesischen Ausstrahlungen zu illustrieren bestimmt sind,

verdienen heute auch in kunsthistorischer Beziehung Beachtung. Es liegen in diesen



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