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MAK

Full text : Monatszeitschrift X (1907 / Heft 5)

272

in völliger Ungnade sehe, als

ob er gestohlen hätte oder

treulos gewesen wäre. Er

fühle sich aber vollständig

unschuldig. Er klagt über die

Unbeständigkeit des I-Iolzwerkes

 und die Fehler der

Arbeiter, die die Pläne nicht

richtig ausführten. Der Graf,

der ihn sonst wie ein Vater

behandelt habe, sei sehr

böse und man wolle ihm

Ehre und Ruf, vielleicht das

Leben nehmen. Und dann

fährt Hildebrandt fort: „Gott

hat mir das Leben gegeben,

um diesen vornehmen Beruf

(den eines Architekten) bereits

 durch etwa 40 Jahre

auszuüben, und ich habe

zahlreiche schöne und ansehnliche

 Bauwerke geschaffen,

 die sich nun in den

Ländern Seiner Majestät des

Kaisers und anderswo be-Enden

 . . f"

Er könne seine Werke

nicht aufzählen und nirgends

Eckpavillon des Harrach-Palais in Wien, nach Sal. Kleiner Sei ein Mißgeschick Vorge"

kommen; nie sei eine Mauer

oder ein Gewölbe eingestürzt. Aber für die Fehler des Holzes könne er nicht;

das komme daher, daß man die kaum begonnenen I-Iäuser schon vollendet

sehen wolle. (Der kaum zu verkennende Vorwurf, der in diesen Worten liegt,

erklärt sich wohl nur aus der augenblicklichen Erregung des Schreibers.)

Es sei allgemein bekannt, schreibt Hildebrandt weiter, daß er vor

I2 Jahren (also x72o bis 1721) den großen Gartenpalast des Prinzen Eugen

von Savoyen - dies kann nur das obere Belvedere sein - in einem Jahre

begonnen und im nächsten vollendet habe. Man hätte das Vestibül aber nicht

einwölben wollen und so hätte er eine Deckenkonstruktion aus Eichen gebildet,

 die aber gefault wäre und in diesem Winter (1732 bis 1733) hätte entfernt

 werden müssen. Es wäre nun die ursprünglich von ihm geplante Wölbung

 ausgeführt worden und sie wäre sehr gut gelungen (man vergleiche die

Abbildung auf Seite 266). Es ist dies eine Bemerkung von größter Bedeutung

 für die bisher so unklare Baugeschichte des Belvederes.
            
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