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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 6 und 7)

 
Ausstellung im Kunstgewerbemuszum zu Leipzig, Avers und Revers der silbernen Dreifaltigkeitsmedaille Hans 
Reichardts des älteren, von 156g (Kat. Nr. x53) 
deutschen Bildwirkereien des XVLjahrhunderts, wertvolle Aufschlüsse ge- 
bracht. Auch hier war ein lokales Moment der Anlaß zur Ausstellung. Wust- 
mann hat seinerzeit archivalische Notizen über den Leipziger Teppichwirker 
Seger Bombeck gebracht, von dem uns nun nicht weniger als fünf zum Teil 
datierte und signierte Arbeiten vorliegen, die ein klares und wertvolles Bild von 
der Art dieses tüchtigen Meisters geben. Die von Dr. Kurzwelly, dem zweiten 
Direktor des Leipziger Kunstgewerbemuseums, vorbereitete Arbeit wird alle 
Resultate zusammenfassend bringen. Aus dem Besitz des Delitzscher Magis- 
trats tauchte ferner ein Bildteppich mit dem kursächsischen Wappen, dem 
Monogramm E W und dem Datum 1559 auf, der nach des Leipziger Stadt- 
archivars Wustmann Angabe eine Arbeit des Leipziger „Teppichtmachers" 
Egidius Wagner ist, welcher am 28. Jänner 1558 in die Leipziger Bürgerliste 
eingetragen wurde. Eine Reihe anderer Teppiche aus dem Beginn und der 
ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts lassen sich als oberdeutsche Arbeiten er- 
kennen, eine derselben mit Wappen Augsburger Geschlechter läßt sich wohl 
auf diese Stadt lokalisieren. Fränkisch ist ein bisher ganz unbekannter Gobelin 
von Schloß Mespelbrunn im Spessart, ein schon durch seine Dimensionen 
imposantes Stück, das 340 Meter hoch und 770 Meter breit ist, nach Kurz- 
wellys Vermutungen vielleicht eine Lauinger Arbeit um 1565. Der Teppich 
zeigt die Familie des Peter Echter von Mespelbrunn inmitten eines rückwärts 
durch Zaun und Rosenbusch abgeschlossenen Gartens. Die Anordnung ist 
eine streng symmetrische. Vom Mittelpunkt aus, den ein von einem Pelikan 
gekrönter Brunnen einnimmt, steht rechts Peter Echter mit seinen fünf Söhnen 
hinter sich, links seine Hausfrau Gertraud mit ihren vier Töchtern. Links und 
rechts schließen die Reihe der Diener Michael Vetter und die Magd „Chritina". 
Den Hintergrund bildet eine hügelige Landschaft mit Ortschaften, darüber 
schwebt in Wolken die Dreifaltigkeit. Über den Figuren sind die Wappen-
	        

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