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MAK

Full text : Monatszeitschrift X (1907 / Heft 11)

572

Alpen trennt, in welchem nach den Goten

und Langobarden die Franken und Burgunder

 herrschten und dessen Bewohner noch

heute französisch sprechen. Sicher ist, daß

auch in diesem Stück wie in andern mittelalterlichen

 Möbeln des gleichen Landesgebiets

 nordische Art die romanische überwiegt

 (Abb. 58 und 59).

Auf dem Bergschloß, wo der auf dem

Prinzip des dreibeinigen Schemels mit über

den Sitz emporgezogenen Pfosten beruhende

Stuhl stand, war Wohl eher rauhes kriegerisches

 Wesen als hölische Kultur daheim.

Das vorn gerade, etwa zwei Drittel eines

Kreises einnehmende Sitzbrett, die aus gebogenem

 Spanholz, das außer von den

Stollen noch von zwei derb profilierten

Pfosten zusammengehalten wird, gebildete

runde Lehne mit darübergelegtem flachen

Brett, die außergewöhnliche Verwendung

schwerer Eisennägel mit abgerundeten

Köpfen zur Zusammenfügung, die unbeholfene

 Art der figürlichen und ornamentalen

 Schnitzereien geben dem Stück einen

hoch altertümlichen Charakter, das Kostüm

der tragenden Figur am rückwärtigen Stollen

und des weiblichen Kopfes am linken Vorderstollen,

 ebenso wie die Behandlung des

Maßwerks am kielbogenförmig ausgeschnittenen

 Vorderbrett unter dem Sitz und den

Vorderstollen, die seitlich an diesen angebrachten Füllungen mit einem Zweig

mit lanzettförmigen Blättern, scheinen dagegen auf das vorgeschrittene

XVJahrhundert hinzuweisen, ebenso wie die Verwendung weichen Holzes,

das ursprünglich bemalt gewesen sein wird, auf rauhes I-Iochland.

Weitaus sichereren Boden betreten wir bei zwei Faltstühlen eigenartiger

 Konstruktion, die etwa der Mitte des XV. Jahrhunderts und Oberitalien,

 der venezianischen Terra ferma oder vielleicht der Romagna zuzuweisen

 sein dürften. Sie gehören zu der Gattung von Faltstühlen, an denen

die Drehungsachse der gekreuzten Fußpaare parallel zur Lehne läuft. Ein

Zusammenklappen in gebrauchsfähigem Zustand ist schon deshalb ausgeschlossen,

 weil die Sitzplatte aus einem mit den gekreuzten Beinen fest verzapften

 Brett besteht. In diesen Verzapfungen sind aber ihrerseits wieder die

schrägen Armlehnenbretter und das Rücklehnengestell eingezapft, die, oben

in spitzem Winkel zusammenlaufend, auch hier wieder durch wagrechte

Abb. 73. Floreminer Klapplehnstuhl, XVII.

jahrhundert. Höhe x43, Breite 0,45 Meter
            
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