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MAK

Full text : Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 1)

nur zu eindringlich gepriesene Vollkommenheit, tadeln die Schwächen der

englischen und kontinentalen Zinshäuser. Von den Letzteren liegen den

Engländern die französischen am nächsten. Und zweifellos zeigt Paris ein

großes Raffinement in der Grundrißgestaltung vornehmer Mietwohnungen,

das englischen Bequemlichkeitsbedürfnissen besser entspricht, wie der mehr

auf repräsentative Fassaden gerichtete deutsche Typus.

Unter den englischen Beispielen sind natürlich auch die modernsten

Errungenschaften des Zinshauslebens vertreten, die amerikanische Lebensanschauungen

 nach Europa verpiianzen: die „catering flats", Zinshäuser mit

Zentralküchen und Speisesälen, welche den Übergang vom Hotel zum Miethaus

 schaffen. Indem das selbständige Wirtschaften der Hausfrau abgenommen

 und wie die Sorge für die Erhaltung der öffentlichen Teile des

Hauses einem fremden Faktor gegen Bezahlung überlassen wird, geht nur

noch ein Teil der Intimität des Heims mehr verloren, damit ein ökonomischer

Vorteil eingetauscht werde.

Mit diesen Fragen entfernen wir uns von dem Bereiche der künstlerischenLebensanschauungen

 und nähern uns der sozialpolitischenAuffassung,

der die Sorge um hygienisch einwandfreie Quartiere für große Menschenmassen

 am nächsten liegt.

Zweifellos darf der Künstler auch an diesen Aufgaben nicht achselzuckend

 vorübergehen. Die Gesichtspunkte der künstlerischen Stadtplanung,

der Massenverteilung, Linienführung im Straßen- und Platzbilde werden

darum auch mit Recht in dem Buche gestreift. Die Heranziehung der

modernen Konstruktionsmittel zu einer einfachen, sachlichen und geschmackvollen

 Fassadenbildung wird erwähnt. Daß auch hier die Engländer ihrer

historischen Vergangenheit mit Liebe und Aufmerksamkeit folgen, wirkt

schon dadurch versöhnend, daß es nicht formale Äußerlichkeiten, sondern

sachlich begründete konstruktive Qualitäten sind, die sie in die Gegenwart

hinüberretten wollen. Die Engländer verstehen auch im Zinshaus, historisch

pietätvoll und doch zugleich sachlich modern zu sein.

In diesem Sinne mag das Buch wohltätig wirken und den großen, gefährlichen

 I-Ieerbann der Bauspekulanten belehren. Es zeigt, was konstruktives

 Empfinden und praktischer Blick vereint mit ruhigem, gediegenen

Geschmack, verhindern können. Es läßt erkennen, daß das moderne Miethaus

 nicht in so trostloser Weise die künstlerische Zerfahrenheit und

Richtungslosigkeit unserer Tage demonstrieren müßte, wie es leider bei uns

so häufig der Fall ist.

Das in seiner Art sehr bemerkenswerte Unternehmen des „Country

Life", jener für das englische Landleben bestimmten großen Zeitschrift, die

auch so treffliche Aufnahmen aus englischen Schlössern und Parkanlagen

bringt, hat kürzlich wieder einen Band erscheinen lassen, der eine neue Serie

dieser großen photographischen Aufnahmen vereinigt." Eine ausführliche

allgemeine Einleitung führt in die Geschichte des englischen Bauwesens ein

"' In Englisch Homes by Charles Latharn, Vol. H, 1907. London, Verlagsanstalt des Country Life.
            
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