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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 2

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nützlich, weil es die dichten Schwärme der Stechmücken vertreibt und von unserer Lager 
stätte den Jsegrimm (Wolf) fernhält. Ein Sonnenuntergang am Theißufer ist manchmal 
wunderschön. Der ganze Himmel gleicht einem Flammenkessel, dessen Farbe nach und 
nach in erne Art blendendes, gelbes Dunkel übergeht, das man die gelbe Finsterniß nennen 
könnte. Dann schießen gegenüber am Himmel dunkelblaue Streifen auf und zertheilen den 
dichten Nebelschein, indem sie das gelbe Dunkel immer mehr eindämmen, bis endlich die 
Sterne durch das Blau hindurch blinken. Und nun beginnt das Concnt im Wasser. 
Millionen Frösche quaken und unzählbare „Gelsen" in Wassern und Himmeln summen 
durcheinander, der Wolf ruft sein Weibchen, die Blindmaus quiekt, die Rohrdommel brüllt, 
ans der Höhe tönt der Prophetenschrei der Wildgänse hernieder, von einem weit entfernten 
Lwrfe her kommt verirrter Glockenton und zu alledem klappern eintönig die Wassermühlen. 
An der Theiß gibt es keine itumme Nacht. Aber Menschenstimmen hört man nicht, denn 
das nächste Dorf ist schon weit entfernt vom Ufer. 
Den Morgen verkündet der Lärm des gefiederten Volkes; immer ist das Reich der 
Gewässer lebendig und bewegt. Sowie es zu grauen beginnt, erheben sich die Vögel in 
ganzen Scharen, Tausende des snmpfbewohnenden Heeres dringen aus dem Weidenwald 
und von den moorigen Inseln her; die Fischadler, die sich für die Nacht gruppenweise auf 
den Zweigen der Weiden niedergelassen hatten, gehen nun eilig der Tagesarbeit nach; dort 
sehen wir sie m spiraligem Fluge die Kreuz und Quer über dem glatten Wasserspiegel 
heiumirren, immer neuerdings zum Wasser niederschießen und, die Beute in den Fängen, 
sich wieder triumphirend in die Lüfte schwingen. 
Drei calvinische Studenten sind die Reisegefährten. Sie gehen auf Ferien nach Hanse, 
von^Debreczin nach der Baranya; um „den Weg abzukürzen", nehmen sie die Tour über 
die Lheiß, Donau und Dran. Die drei Reisenden singen ein „Quartett": „Es schaukelt 
sich mein Kahn", und sie kommen an keinem Dorfe vorbei, ohne über dasselbe eine 
Anekdote zu erzählen. Das ist der uralte Phonograph des Alföld, das mündliche 
Vermachtmß der Studenten, der Aufbewahrer der „Csittvärer Chronik". Sie kennen hier 
jedes Dorf, jeden Marktflecken, sie wissen wer dort Pfarrer, wer Rector ist, sie kennen 
deren Sporteln und es ist ihnen bekannt, ob es dort eine alte Kirche, einen Weinberg oder 
einen Wald gibt. Die wirkliche Steuerbasis kennen unverfälscht nur der calvinische Rector 
und der Geistliche, und nach ihnen diese Wander-Studenten. 
In Tarpa wachsen viele Pflaumen und Reinetteäpfel, und ein furchtbar saurer 
Wein, der, wenn er sich zieht, mit der Scheere abgeschnitten werden muß. 
Varsany wird durch die Theiß in zwei Theile geschnitten. Einst war es eine ganze 
L i tschaft, jetzt liegt es mit einer Hälfte aus dem rechten, mit der anderen auf dem linken 
Ufer der Theiß.
	        
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