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Full text: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 5)

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Jene Ecke des grandiosen Parks von Versailles, welche die geschlän- 
gelten Wege und unregelmäßigen Wasserläufe, die Hütten und Felsgruppen, 
die Trauerweiden und Birken des kleinen Trianon enthält, ist auch für die 
Wandlung in der Naturanschauung eine historische Ecke geworden. 
Diese große Umwälzung hat wohl England am stärksten gefördert durch 
sein systematisches Ausbauen des malerischen Grundgedankens im Park. 
Deutschland hat den Umschwung am lebhaftesten aufgegriffen und am läng- 
sten an seinen Folgen gelitten. Es ist für die Sache charakteristisch, daß 
 
Schloß Lenpoldskron bei Salzburg 
literarische Propaganda, wissenschaftliche Begründung um so reichlicher 
auftraten, je mehr der architektonische Geist sich vom Garten zurückzog. 
Der königlich dänische wirkliche justizrat und Professor der Philosophie 
und schönen Wissenschaften in Kiel C. C. L. Hirschfeld gab schon 177g seine 
vielbändige Theorie der Gartenkunst heraus, in der er die neue Garten- 
behandlung theoretisch begründet und erörtert. Er spricht dort sehr gründ- 
lieh von den „Gegenständen der schönen ländlichen Natur"; von der „Größe, 
Mannigfaltigkeit landschaftlicher Schönheit, insofern sie in Farbe und Be- 
wegung liegt, in Anmutigkeit, Neuheit, in dem Unerwarteten und Kontrast". 
Er unterscheidet bei den Gegenden angenehme, muntere, heitere, melan- 
cholische, romantische und feierliche und gibt Vorschriften für die Anordnung 
des Baumwerks, besonders in Ansehung ihrer Verbindung als Gruppe, Hain,
	        
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