MAK

Full text: Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 8 und 9)

an den Gewölbe- 
ansätzen, auf ge- 
malten Architek- 
turen sitzend, die 
vier Evangelisten, 
von reichem Pßan- 
zenornament um- 
rahmt und durch 
dekoratives Lini- 
enspiel auf die Ge- 
wölbebilder eben- 
so bezogen wie 
von ihnen geson- 
dert (Abb. rx). Die 
größten Möglich- 
keiten aber bot die 
über dem Transept 
in sanfter Wöl- 
bung des Tam- 
bours ansteigende 
Kuppel: ohne Sei- 
tenfenster, aber 
durch eine zierli- 
che Lateme treff- 
lich beleuchtet. 
Hier hat der Künst- 
ler die Himmel- 
fahrt Mariä und 
die Kreuzigung 
Abb. 14. Engel vom Orgelchor in Haindorf (nach dem Kanon) dargestellt Y und 
zwar, dem tröst- 
lich versöhnenden Charakter einer Wallfahrtskirche entsprechend, in der 
dem Schiffe zugewendeten Kuppelhälfte Himmelfahrt und Krönung, auf der 
andern, dem Hochaltar zugewendeten Seite, die Kreuzigung. Steht man im 
Kuppelraum selbst, so ist der Kontrast der beiden Darstellungen - jede in 
ihrer Weise erfüllt von jenem Sturm leidenschaftlicher Bewegtheit, welche 
der Barockstil liebt, aber völlig entgegengesetzt in ihrem Stirnmungsgehalt, 
künstlerischer Mimik und koloristischer Behandlung - unbeschreiblich und 
von packendster Wirkung: alle Schrecknis und Tragik des Lebens hier; das 
seligste Staunen und die wonnigste Verklärung dort (Abb. 12 und r3). Diese 
Kontrastwirkung ist aber künstlerisch um so wertvoller, als Groll es meister- 
haft verstanden hat, die beiden Hälften der Kuppel doch nicht auseinander- 
fallen zu lassen, sondern zu einer einheitlich gerundeten Raumwirkung zu 
verbinden, so daß über alle Gegensätze hinweg ein geschlossenes dekoratives
	        
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