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MAK

Full text : Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 8 und 9)

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ANDREAS GROLL UND DIE FRESKOMALEREI

IN OSTERREICH 50' VON FRIEDRICH JODL-WIEN

 S0-"

 Ä T ' M 23. Dezember 1907 starb zu Wien an den Folgen

einer schweren Operation der Professor an der

Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen Museums

 für Kunst und Industrie Andreas Groll, eine

ungemein markante Erscheinung im künstlerischen

Leben Österreichs gegen denAusgangdesXIXJahrhunderts.

 Seine Individualität als Künstler wie als

Mensch, die Art seiner Arbeiten, von denen die

größten, künstlerisch bedeutsamsten, teils außerhalb

 Wiens, teils in Anlehnung an ältere Kunst-Schöpfungen

 entstanden, viele auch von Anfang an in enger Verbindung mit

öffentlicher und privater Architektur geschaffen wurden; die Seltenheit seines

Erscheinens auf den regelmäßig wiederkehrenden Kunstausstellungen -

alles das wirkte zusammen, um für seinen Namen die ihm gebührende Verbreitung

 zu verzögern und für sein künstlerisches Können die Anerkennung

zu erschweren, welche sie verdienten und welche die liecht gewonnene,

freilich auch oft rasch wieder verlorene Gunst des Tages manchem minder

Bedeutenden, weniger großzügig Schatfenden bereitwillig gewährt. In bezug

auf Stil wie in bezug auf Technik, in bezug auf Stoffe und Aufgaben wie in

bezug auf die Art der Behandlung nahm Groll in der österreichischen Kunst

der Gegenwart eine eigenartige Stellung ein. Gewiß, seine Kunst war - um

einen von den Führern der Gegenwartskunst oft und meist in recht geringschätzigem

 Tone angewendeten Ausdruck zu gebrauchen - eine retrospektive

 Kunst; sagen wir lieber eine Kunst der Anlehnung an große historische

 Stilformen und ihrer Wiederbelebung für das Kunstgefühl und die

Kunstzwecke der Gegenwart. Aber dieser Prozeß der mehr oder minder bewußten

 Wiederanknüpfung an typische Kunstformen der Vergangenheit,

welche an eindringendem Studium vergangener Blütezeiten und ihrer Formensprache

 allgemeine Schönheitsgesetze in konkreter Gestaltung als Normen

für das eigene Schaffen zu gewinnen sucht, ist aus der kunstgeschichtlichen

Entwicklung Österreichs im XIX. jahrhundert ebensowenig zu eliminieren

wie in anderen Ländern. Nur ein von der Parteileidenschaft des künstlerischen

Fortschritts um jeden Preis getrübter Blick vermöchte zu verkennen, wie

viele edle Schöpfungen aus diesem Zusammenwirken persönlicher Begabung

und historischen Studiums hervorgewachsen sind, neben manchem, was

lehrhaft trocken und geistlos nachempfunden blieb, weil wohl die Form der

Vergangenheit da war, aber der lebendige künstlerische Geist fehlte, um sie

neu zu beseelen. In drei großen Abschnitten hat während des XIX. Jahrhunderts

 eine solche Wiederanknüpfung auch der österreichischen Kunst an

die Kunst der Vergangenheit stattgefunden. In der Periode des Neuklassi-

 

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