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beim Pluviale ein großes halbkreisförmiges Leinenstück von etwa x80 Zenti-
meter im Halbmesser aus zwei parallelen Leinenbahnen, von denen die obere
der ganzen Breite nach verwendet wurde, hergestellt.
Wenn man diesen großen Halbkreis mit einer Hälfte der Längsseite
an die andre brachte, so ergab dies naturgemäß einen Kegelmantel (Abbil-
dung auf Seite 636, untenl); dies ist die tatsächliche Form der alten Kaseln, bei
denen man nur vorne oben einen Schlitz ließ, um den Kopf hindurch-
zustecken (vergleiche die Abbildung auf Seite 637 "Ü, wobei der rückwärtige
Teil am Halse höher aufstehen oder niedergeschlagen sein konnte. Solche
Kaseln sind noch in größerer Zahl erhalten, so etwa die erwähnten Kaseln
aus St. Blasien. Diese und ähnliche Stücke sind aber über die ganze Fläche
ziemlich gleichmäßig mit Musterung (Kreisen mit Figuren oder andern
Ornamenten) bedeckt und haben an der geraden Seite allenfalls gestickte oder
aufgenähte Längsborten, die man beim Zusammenschlagen ganz unbesorgt
vorne nebeneinander die Mitte herablaufen lassen konnte. Anders steht es
aber bei unsrem Ornate, bei dem die Mitte vorne eine breite zusammen-
hängende Darstellung zeigt; man erkennt sofort, daß hier das Auftragen der
Gewehre Borte mit Perlenstickerei von einer Mitra irn Dome zu Salzburg
Zeichnung des vorderen Mittelteils auf die kreisförmige Leinwand zu großen
Unzukömmlichkeiten hätte führen müssen. Man hätte zum Beispiele von dem
Gekreuzigten ein Stück links oben und ein Stück rechts oben zeichnen müssen;
beim Sticken wäre dies schon gar störend, wenn nicht undurchführbar, ge-
wesen. Man zeichnete daher die Vorderseite auf ein eigenes Leinwandstück,
das man aber der Länge nach benutzte, um keine Quernaht nötig zu haben.
Tatsächlich findet man auch auf der Vorderseite links oben noch die eine
Sahlkante unter der Stickerei hindurchgehen; auf der andern Seite ist keine
Sahlkante vorhanden, sondern die Leinwand ist hier abgeschnitten, da die
Bahn eben breiter war als nötig. Es wäre nun störend gewesen, die Lein-
wand vorne doppelt zu haben und so nähte man das gesonderte Vorderstück
nicht auf den gesamten geschlossenen Leinenkegel auf, sondern schnitt die
unnötigen vorderen Teile des Kegelmantels aus und nähte die vordere Leinen-
bahn nicht auf, sondern an das Übrige. Die Bestickung erfolgte allem Anscheine
nach noch auf den getrennten Leinenstücken.
So kompliziert dieser Vorgang in der Beschreibung erscheint, so einfach
und zweckmäßig ist er in Wirklichkeit.
" Nachjoseph Braun, „Die Liturgische Gewandung" (Freiburg i. Br. 1907), Abbildung B7.
"' Nach Rohault de Fleury, „La Messe", Vll, Seite x32.