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MAK

Full text : Monatszeitschrift XI (1908 / Heft 12)

betrachtet. Aber immerhin kann heute bereits einiges als gesichert gelten,

so daß wir uns nicht nur über die einzelnen Stücke, besonders über die

Kasel, sondern auch über die Stellung des Ornats in der ganzen Kunstentwicklung

 klarer werden können. Und wenn einiges heute noch ungeklärt

 ist, so erscheint es doch nicht zweckmäßig, eine Veröffentlichung in

unbestimmte Ferne zu verschieben; denn absolute Klarheit wird man in

ähnlichen Dingen niemals erlangen. Dagegen vermögen bessere und reichlichere

 Abbildungen als die bisher bekannten und die Feststellung einiges

Neuerkannten Anregungen zu bieten, die andern ebenso bei der Betrachtung

 weiterer Kunstwerke nützen, als auf die Erforschung des Ornats selbst

wieder zurückwirken können.

Ehe wir aber zu irgendwelcher Schlußfolgerung schreiten, wollen wir

die Stücke selbst, so wie sie heute vor unserem Auge ausgebreitet sind, näher

betrachten. Wir wollen die Stücke dabei nicht nach ihrer kirchlichen oder

künstlerischen Wichtigkeit anordnen, sondern in gewissem Grade nach ihrem

Erhaltungszustande, damit wenigstens bei den wichtigsten Stücken von möglichst

 Gesichertem ausgegangen werde, worauf das andere sich dann mehr

oder weniger von selbst erklärt.

Es muß nämlich sogleich vorausgeschickt Werden, daß sich die einzelnen

Stücke nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustande befinden, sondern daß

sie durch Abschneiden oder Ausbessern mehr oder weniger Veränderungen

erfahren haben.

Am meisten hat durch Verkleinern, aber nicht durch nachträgliche

Einfügungen, wie sie bei andern Stücken erfolgten, die Kasel gelitten; wir

wollen sie darum von den Hauptstücken zuletzt betrachten. Am wenigsten

Veränderungen hat das Pluviale und insbesondere das Antependium erfahren;

wir werden daher gut tun, mit diesen beiden Stücken die Betrachtung zu

beginnen.

Es sei nur eine ganz kurze Bemerkung über das Material und die technische

 Durchführung der Stickereien vorausgesendet. Es gehören diese Arbeiten,

 so wie zum Beispiele die Gewänder aus St. Blasien, die sich nun zu

St. Paul in Kärnten befindeni, zu jener selteneren Gruppe von Stickereien, bei

denen der Grund von der Stickerei vollständig bedeckt wird und selbst gar

nicht mitspricht. Das Stickmaterial ist bei dem Gößer Ornat ausschließlich

Seide, und zwar ein wundervoll weiches Material von außerordentlicher

Leuchtkraft und Farbe; Gold, das bei dem einen Stücke aus St. Blasien hinzutritt

 oder bei einer vergleichbaren Arbeit in Anagni sehr wichtig erscheint, ist

hier ganz vermieden. Die Farben sind zum Teil außerordentlich gut erhalten,

so daß manche Teile, wie die Rückseite der Kasel (siehe die Farbentafel)

und die geometrische Musterung des Pluviales, kaum wie Stickerei, sondern

geradezu wie farbige Glasfenster wirken; es trägt dazu auch der reine, ungebrochene

 Ton der Farben bei. Besonders gut ist das Rot erhalten, das ja

)' Franz X. Kraus, Der Kirchenschatz von St. Blasien . . . . ., Beigabe zu den Kunstdenkmälern des

Großherzogtums Baden. Freiburg i. Br. 1892.
            
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