porigem Untergrund, erinnernd an
die fadige Struktur des Rupfens,
heben sich Tiere ab: vom Lila
Hächig schattierte Katzen, von
einem Graugrün Truthähne in
buntkollrigem Gefieder, vom Ra-
sengrün mit weißer ornamentaler
Schloßfassade in der Tiefe einer
jener weißen russischen Wind-
hunde mit getiederweichem sei-
digen Fell.
Das Dekorative verbunden
mit dem Buch ist mehrfach
vertreten. Minutiöse Stiletüden,
Vignetten, Exlibris. Miniatur-
zierate, graphische Bibelots sieht
man von Markus Behmer. Ein
durchgesiebter Geschmack ar-
beitet hier mit der subtilen Gra-
vierfeinheit eines Ornamentstich-
Kleinmeisters.
Alles, was seine streicheln-
den Finger vornehmen, einen
Zweig, märchenhafte Käfer und
Spinnen, phantastische Kreuzun-
gen aus Blumen und Insekten,
Kreuzungen einer Orchideen-
phantasie, Porträtmedaillen, Mas-
ken, Becher, alles bekommt einen
Wiener Kunstgewerbeschule, Dekorative Umwertung einer Natur- _ _ _
Studie von Philipp Häusler (Schule Schulmeister) Juweherhafte" metanlsche" Zug-
an Lalique denkt man. Slevogt ist
ein ganz andres Temperament. Der strichelt und punktiert nicht, der Fährt daher und fegt
im Wirbel. Man sieht hier seine zeichnerischen Akkompagnements zum Sindbad aus „Tau-
send und eine Nacht" und zur Indianergeschichte „Coronna". Das hat etwas vom Märchen-
wind, der zerfetzte Wolken blasend vor sich hertreibt, zu Gebilden launisch formt und
wieder zerreißt. Brausendes Leben ist darin und ein ungeheures Vergnügen am losgelas-
senen Seifenblasenspiel der Laune im Weltall.
Ernst Stern tanzt Kapriolen und Kapriccios in der phosphoreszierenden Welt E. T. A.
Hoffmanns und seines nachgebornen lieben Sohnes Hans von Müller. Etwas bewußt,
vielleicht mit zu viel Methode in der Tollheit gaukelt die fleckig scharlachene Blumen-
pantomine dieser tollen Blüten mit Kaulquappenkiemen und lüsternen Riisseln. Die humor-
hafce Note Hoffmanns fehlt hier ganz, es sind nur die Bizarrerieräusche forcierter Betäu-
bung. Und Stern hat dazu noch in den edlen Kreißler-Pokal, aus dem die salamandrische
Flamme des Elementargeistes leuchtet, das künstliche Stirnulans des Absinthes heim-
tückisch hineingeschmuggelt.
Voll nachdenklicher Anmut und sehr rein eingestimmt wirken Karl Walsers Radie-
rungen zu den Gedichten seines Bruders Robert (Bruno Cassirers Verlag); ziervolle Bildchen
sind es, mit sicherem Taktgefühl in die Textseite komponiert, mit ihrem schlanken Platten-
rand zu Häupten der Lieder stehend, in der Art der guten Drucke des XVIII. jahrhunderts.
Dabei ohne Stilspielerei, in einer stillen, im guten Sinne eigensinnigen Innerlichkeit, und so
ganz echter Einklang zu den Poesien. Ein Grazienwerk, das die zartesten Fingerspitzen-
künste des galanten Zeitalters in neuem Geist und neuer Sinnlichkeit lebendig macht, ist