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Full text: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 2)

porigem Untergrund, erinnernd an 
die fadige Struktur des Rupfens, 
heben sich Tiere ab: vom Lila 
Hächig schattierte Katzen, von 
einem Graugrün Truthähne in 
buntkollrigem Gefieder, vom Ra- 
sengrün mit weißer ornamentaler 
Schloßfassade in der Tiefe einer 
jener weißen russischen Wind- 
hunde mit getiederweichem sei- 
digen Fell. 
Das Dekorative verbunden 
mit dem Buch ist mehrfach 
vertreten. Minutiöse Stiletüden, 
Vignetten, Exlibris. Miniatur- 
zierate, graphische Bibelots sieht 
man von Markus Behmer. Ein 
durchgesiebter Geschmack ar- 
beitet hier mit der subtilen Gra- 
vierfeinheit eines Ornamentstich- 
Kleinmeisters. 
Alles, was seine streicheln- 
den Finger vornehmen, einen 
Zweig, märchenhafte Käfer und 
Spinnen, phantastische Kreuzun- 
gen aus Blumen und Insekten, 
Kreuzungen einer Orchideen- 
phantasie, Porträtmedaillen, Mas- 
ken, Becher, alles bekommt einen 
 
Wiener Kunstgewerbeschule, Dekorative Umwertung einer Natur- _ _ _ 
Studie von Philipp Häusler (Schule Schulmeister) Juweherhafte" metanlsche" Zug- 
an Lalique denkt man. Slevogt ist 
ein ganz andres Temperament. Der strichelt und punktiert nicht, der Fährt daher und fegt 
im Wirbel. Man sieht hier seine zeichnerischen Akkompagnements zum Sindbad aus „Tau- 
send und eine Nacht" und zur Indianergeschichte „Coronna". Das hat etwas vom Märchen- 
wind, der zerfetzte Wolken blasend vor sich hertreibt, zu Gebilden launisch formt und 
wieder zerreißt. Brausendes Leben ist darin und ein ungeheures Vergnügen am losgelas- 
senen Seifenblasenspiel der Laune im Weltall. 
Ernst Stern tanzt Kapriolen und Kapriccios in der phosphoreszierenden Welt E. T. A. 
Hoffmanns und seines nachgebornen lieben Sohnes Hans von Müller. Etwas bewußt, 
vielleicht mit zu viel Methode in der Tollheit gaukelt die fleckig scharlachene Blumen- 
pantomine dieser tollen Blüten mit Kaulquappenkiemen und lüsternen Riisseln. Die humor- 
hafce Note Hoffmanns fehlt hier ganz, es sind nur die Bizarrerieräusche forcierter Betäu- 
bung. Und Stern hat dazu noch in den edlen Kreißler-Pokal, aus dem die salamandrische 
Flamme des Elementargeistes leuchtet, das künstliche Stirnulans des Absinthes heim- 
tückisch hineingeschmuggelt. 
Voll nachdenklicher Anmut und sehr rein eingestimmt wirken Karl Walsers Radie- 
rungen zu den Gedichten seines Bruders Robert (Bruno Cassirers Verlag); ziervolle Bildchen 
sind es, mit sicherem Taktgefühl in die Textseite komponiert, mit ihrem schlanken Platten- 
rand zu Häupten der Lieder stehend, in der Art der guten Drucke des XVIII. jahrhunderts. 
Dabei ohne Stilspielerei, in einer stillen, im guten Sinne eigensinnigen Innerlichkeit, und so 
ganz echter Einklang zu den Poesien. Ein Grazienwerk, das die zartesten Fingerspitzen- 
künste des galanten Zeitalters in neuem Geist und neuer Sinnlichkeit lebendig macht, ist
	        
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