Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 2)


Professor Kurt Stöving, Diele eines Landhauses in Kronberg am Taunus (Aus Haenel und Tscharmann, Die

Wohnung der Neuzeit)

niemals ästhetische Urteile direkt herausfordern darf. Für den, der mit Verstand

 und ein wenig Geschmack seine Umgebung aufbaut, braucht der Begriff

 „Kunst" vorläufig gar nicht zu existieren. Wer ehrlich bemüht ist, nicht

zu entgleisen und sich der Fähigkeit, seinen Wünschen eine angemessene

Form zu verleihen, nicht sicher fühlt, der muß immerhin einen Künstler bitten,

ihm seine Zimmer vom Fußboden bis zur Decke einzurichten. Der Rat und

Beistand eines Künstlers ist jedermann notwendig, denn kein Nichtkünstler

wird imstand sein, in jedem einzelnen Fall dem verständigen Gedanken ein

harmonisches und praktisches Gewand zu geben.

Aber die Räume, wo der „Entwurf" aus allen Ecken

schaut, wo jedes Bild und jede Vase ihren unverrückbaren,

 schon auf dem Papier festgelegten Platz

hat, wo der Besucher sich seiner prosaischen Erscheinung

 vor lauter individuellem Stimmungsreichtum

 nur mit Scham bewußt wird, diese Räume sind

nicht das Ideal.

EineWohnung darf nie etwas ganz Abgeschlossenes

 sein, etwas Fertiges, ebenso wie es nicht schadet,

wenn man ihre Jahresringe ein wenig spürt, ebenso

muß sie eine gewisse Elastizität der Erscheinung

haben, die innere Fähigkeit zu wachsen, sich umzubilden.

 je enger der Charakter einerWohnung mit

dem ihres Besitzers harmoniert, desto weniger darf

Grundriß der Diele in Kronberg

_ _ _ (Aus Haenel und Tscharmann,

sie starr und leblos bleiben, so lange er lebt und SlCh m. Wohnung a" Neuzeit)


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.