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MAK

Full text : Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 3)

Illumination, reizvoll gebrochen, mit wechselvollen Reflexen antwortet. Oder er bannt die

grüngoldene Dämmerung, mit Sonnengellimmer ausgestickt, in einer Pergola mit rostrot

hängendem Gezweig. Oder weichwallende Lichtströme über weiße Parktreppen und weiße

Uferwege.

Differenzierter Geschmack schwingt in den Porträten. So imSelbstporträt, in Sonne und

Luft getaucht, auf dern Hintergrund des Meeres mit dem weißen Hut über dem angeglühten

Gesicht. Die Frauenbildnisse sind prickelnde Capriccios: die lacertenhafte Parisienne mit

der Hüftenkurve, die Mondäne mit den esprithaften Lippen und der spielenden Haltung im

Lehnstuhl. Ein menschliches Stilleben ist das Porträt des chinesischen Gesandten in der

tonigen Harmonie des blausilbernen Gewandes auf grauem Hintergrund.

4: i:

Neue Nadelarbeiten von Florence Jessie Hoesel sind im Kunstgewerbemuseum in

einer Sonderausstellung vereinigt.

Die reine Art dieser Künstlerin, die mit Stickerei und Applikation ihr lyrisch schwingendes

 Naturgefühl ausspricht, erweist sich darin, daß sie nie mit illegitimen Mitteln

Malerei vortäuschen will, daß sie nie auf Viituositätskunststücke ausgeht. Stets läßt sie

sich aus dem von ihr gewählten Material und der ihm gemäßen Technik Gesetz und

Bedingung der Ausdrucksweise diktieren. Material und technisches Werkzeug sind der

farbige Seidenfaden von vielseitiger Nuancenfülle der Farbe, die Grundfläche von Seide

oder Leinen, und die Nadel; ein weiteres Hilfsmittel die Applizierung.

Die Landschaftsmotive, die mit solchem Werkzeug und Stoff ausgedrückt werden, sind

mannigfach: beblümte, blütenbestickte Wiesenstriche; fiimmemde, schwanke Frühlingsbäume

 zur Seite schmaler Wege; sanfte Hügelwölbungen und Abhänge mit zartschimmrigen

Blütenflocken übersät; flatternde Schmetterlinge; stolzierende Pfauen im Serpentintanz

ihrer Schweifräder; glühende Sonnenuntergänge über finsteren Kieferwäldern; huschende,

den Mond überschleiernde Wolkenphantome; zittrige Birken und aufgelöstes, lang und

bang verflatterndes Haargezweig über beglänztem Wasserspiegel. Dies die Stimmung;

nun die Art der Wiedergabe, der Transponierung in die Ausdruckssprache von Nadel

und Stoff.

Da ist nun besonders charakteristisch die Darstellung von Birken und Weiden. Aus

der natürlichen Führung der Nadel, die ihren Faden zieht, fühlt man das Sprießige, Fädige,

Stichlige des Zweigwerks in organischem Prozeß entstehen. Und das dichte, enge schraffierungskritzelige

 Fadenspinnen in silbergrauer Farbe schafft die sprenklige Maserungsstruktur

 des Rindenstammes. Oder die Nadel fährt scheinbar exzentrisch, im Zickzack hin

und her, in blitzzuckigen, regenschauerartigen Strichen, und solch schwirrendes Gewirr

ordnet sich den Blicken zum entlaubten Baume mit bewegt verkreuztem Besengezweig.

Wie nun gerade das Fädighängende der Birke solcher Technik entgegenkommt, läßt sich

denken. Das Überziehen der Grundfläche mit dichtem, vielfarbigem Seidengespinst, grüngelb-lilafaserig,

 gibt gut das Moosige, Weichsamtige des Waldbodens im Spiel des Lichtes

wieder.

Auch die Komposition, die Gruppierung der Motive wird immer aus dem Material

empfunden. Aussparung ist, wie bei denjapanern, beliebt; ganze Strecken der Grundfläche

bleiben frei, gelber Rupfen bildet einen Sandweg, oder Moireflächen einen Wasserspiegel

oder blaßblaue den Frühlingshimmel. Solche ausgesparte Stellen werden, wenn sie den

Boden oder einen Teich bezeichnen, ganz mit gestickten Bäumen transparent umstellt.

Schwarzwipflig wachsen sie aus dunklem, moosflechtigem Grund über hellem Horizont in

lila Wolkenzüge hinein.

Gern benutzt Jessie Hoesel das Gegeneinander senkrechter Linienrhythmen zu wagrechten

 Flächen: also schlank aufsprießende, tlatterhaarige Bäume zu langgebreiteten

Bodenfelderungen oder auf und ab sich senkenden Hügelwölbungen. Oft ist die Anordnung

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